Barcamp 27. Februar 2013

Rückblick auf das Pathcamp Gengenbach — Und was ist eigentlich ein #Pathcamp?

Immer, wenn es mir nicht ganz so einfach fällt über ein bestimmtes Thema zu schreiben, dann schiebe ich das lange Zeit vor mir her. So auch jetzt wieder, aber ich will unbedingt noch über das Pathcamp, das vorletztes Wochenende statt fand, bloggen.

Pathcamp Gengenbach Februar 2013.

Pathcamp Gengenbach Februar 2013.

Pathcamp – Was ist das überhaupt?

Als erstes wollt ihr jetzt wahrscheinlich wissen, was ein Pathcamp überhaupt ist. So genau wusste ich das im Voraus auch nicht, daher gab es auch keinerlei Ankündigungen von mir, dass ich dort hin fahre. Ich habe mich einfach überraschen lassen.

Das erste Mal davon gehört habe ich, als mir @maltekrohn während unserer #BWtour davon erzählt hat, er war nämlich einer der vier Pathen, die jeweils drei weitere Teilnehmer nominieren durften – aber das wird jetzt schon viel zu kompliziert.

Ich muss anders anfangen: Organisator des Pathcampes war @dotdean. Florian wollte eine Art Barcamp aufziehen – allerdings im ursprünglichen Barcamp-Gedanken. Daher fand das Barcamp auch ohne Sponsoren und ohne (Online-)Anbindung an die Außenwelt statt, teilnehmen konnte man nur, wenn man wie bereits erwähnt, von einem der vier Pathen eingeladen wurde.

Weiter hieß es dazu im Manifest des Pathcamp: „Unser Pathcamp wird sich durch eine begrenzte Anzahl an Teilnehmern auszeichnen. Diese kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, was das persönliche Mindset sowie die berufliche Herkunft und Ausrichtung angeht. Es wird ein Ort gewählt, der möglichst online- und ablenkungsfrei den Fokus auf die Veranstaltung und die Teilnehmer ermöglicht.

Ja und genau so war es dann auch. Als Location diente uns der Kapellenhof in einem abgeschiedenen Seitental im Schwarzwald, etwa 15 Kilometer südöstlich von Offenburg gelegen. Außer Strom gab es dort nichts! Kein Mobilfunkempfang, kein Internet und somit auch kein WLAN, wobei letztes stimmt nicht ganz, aber dazu später mehr.

Unsere Location, der Kapellenhof von außen.

Unsere Location, der Kapellenhof von außen.

Weiteres wichtiges, wenn nicht sogar elementarster Bestandteil des Pathcamp: wir waren nicht auf verschiedene Hotels quer in der Stadt verteilt, sondern die allermeisten waren gemeinsam im Kapellenhof untergebracht. Unser „Sessionraum“ war morgens Frühstücksraum, mittags Esszimmer und wurde abends er umfunktioniert ein halbwegs gemütliches Wohnzimmer mit Kachelofen.

Das Pathcamp an sich

Nachdem die Grundpfeiler des Konzepts nun erklärt habe, jetzt ein wenig zum eigentlichen Programm und Ablauf. Angekommen sind die meisten am Freitagabend, dann wurde zunächst einmal gevespert und dann wurden in großer Runde fünf Weine, die Dirk @baranek mitgebracht hatte, verkostet.

Dirk bei der Vorstellung seiner Weine.

Dirk bei der Vorstellung seiner Weine.

Meine allererste Weinverkostung. Ich muss sagen, ich konnte zwar keine Himbeer- oder Zimtaromen im Wein rausschmecken, aber wenigstens konnte ich die verschiedenen Farbnuancen erkennen! Geschmacklich waren die Unterschiede auch erheblich. Einen der vier Weine mochte ich überhaupt nicht! Zum allgemeinen Kennenlernen in größerer Runde fand ich die Session jedenfalls ganz nett so.

Nach der Weinverkostung ging der Abend über in lockere Gesprächsrunden. Irgendwie habe ich komplett das Zeitgefühl verloren, denn als ich gegen 2 Uhr wieder mal auf die Uhr schaute, waren die meisten Teilnehmer schon im Bett. Wir saßen nur noch viert oder fünft am Diskutieren.

Gesprochen wurde über alles Mögliche, unter anderem auch über die OberstaufenPlus-Card, die Malte und ich beide bereits aus eigener Erfahrung kannten. Michael @domsalla wiederum war an der Entwicklung der Obenstaufener Kurschatten-App beteiligt und kannte sich so ebenfalls bestens im digitalsten Kurort Deutschlands aus. So kamen wir auf das Thema Tourismus und Marketing, den Schwarzwald und viele weitere Dinge zu sprechen, ich kann gar nicht mehr alle aufzählen!

Am Samstag fand nach dem ausgiebigen Frühstück unsere Sessionplanung statt. Dirk notierte sich die Vorschläge stichwortartig in sein iPhone, später wurden zwei Screenshots der Notizen direkt vom Handy über eine spezielle App auf unseren Drucker ausgedruckt, mit Kreppklebeband zusammen geklebt und um 1-2 Vorschläge von Hand ergänzt. Unser Drucker verbreitete sein eigenes WLAN, sodass wir das Wochenende nicht ganz auf Strahlen um uns herum verzichten mussten.

Die Anfänge unserer Schneebar.

Die Anfänge unserer Schneebar.

Feste Uhrzeiten hatten die Themen aber keine. Unsere erste „Session“ bestand daraus, draußen ein Iglu im Schnee zu bauen. Aus dem Iglu wurde dann allerdings eine Schneebar. Dafür stilecht mit Bierzapfanlage für das Partyfässchen Tannenzäpfe und einigen „Eisfächern“ um den Schnaps zu kühlen.

Da wir quasi ohne Uhr lebten, fällt es mir schwer zu sagen, wann es Mittagessen gab und wann welche Session folgte. Einzige Orientierungspunkt für mich beim Bloggen sind nun die Timestamps in meinen Bildern, die ihr übrigens in einem Album bei flickr anschauen könnt.

Letzte Feinarbeiten an unserer Bierzapfanlage.

Letzte Feinarbeiten an unserer Bierzapfanlage.

Am Nachmittag hielt @DerZyklop seine Session zum Thema „Besitz reduzieren“. Vor rund einem Jahr hat Nils sich gesagt, dass er sich von allem trennen will, was er nicht braucht. Inzwischen besitzt er nur noch seinen Rucksack und etwa drei Umzugskartons voll mit Dingen. Ich hingegen besitze ungefähr fünf Zimmer voll mit Zeugs, aber ich will mich auch nicht davon trennen… 😉

Für Nils war es die erste Session und die erste Diskussionsrunde in größerer Runde über seine Erfahrungen damit. Wie man in seinem Blogpost nachlesen kann, hat er davor wohl nicht so gut geschlafen. Aber ich denke im Großen und Ganzen waren wir ein ganz okayes Publikum.

Es folgte das Abendessen und danach gingen wir wieder dazu über in kleineren Gruppen über dies und das zu diskutieren. Irgendwann spät am Abend wurde aus unserer Gesprächsrunde mit Tobias @wissmann dann doch noch die eBook-Session, die auf dem Sessionplan stand.

Ein Foto unserer Sessionwall, wobei Wall wohl etwas übertrieben ist!

Ein Foto unserer Sessionwall, wobei Wall wohl etwas übertrieben ist!

Tobias ist Berufschullehrer an einer Schule für Buchhändler und konnte uns interessante Ansichtspunkte aus Verlagssicht liefern. Zum Beispiel habe ich gelernt, warum eBooks meist fast genauso teuer sind, wie das gedruckte Buch. Hängt mit den hohen Margen der Distributoren (Apple, Amazon, usw.), der höheren Mehrwertsteuer (19% statt 7%) und so weiter zusammen. All das ergibt am Ende dann eben einen 8,90 Euro eBook-Preis, bei einem Taschenbuch für 9,95 Euro.

Nach der Buchsession wurde in der Küche in neuer Zusammensetzung noch etwas länger weitergesprochen, unter anderem habe ich mit @nerotunes ein wenig über seine #occupy Fernsehgarten-Aktion und noch ein bisschen mit @zeniscalm über meine ZDF-Twittergeschichte gesprochen. Ja was soll ich sagen, es wurde wieder ähnlich spät wie am Vorabend.

Zum #pathcamp hier entlang!

Zum #pathcamp hier entlang!

Geschlafen haben wir im Schlafsaal im Dachgeschoss trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt erneut bei offenem Fenster, denn irgendwie wollte der Kamin den Rauch aus dem Kachelofen nicht so recht ins Freie befördern. So zog der Rauch eher über das Treppenhaus in die oberen Schlafräume. Aber ich hatte einen Schlafsack dabei, der bis -29°C zertifiziert ist und so war das Schlafen trotzdem oder gerade deswegen sehr angenehm.

Am Sonntag erschien ich wohl wieder als Letzter zum Frühstück, aber es war noch von allem reichlich da. Nach dem Essen präsentierte uns Malte seine Session über seine #bahnlotto-Aktion. Kurz vor Jahreswechsel fuhr er zwei Tage quer durchs Land mit der Bahn.

Nils und Hannes - gebannte Blicke in der Session.

Nils und Hannes – gebannte Blicke in der Session.

Die Route war nicht geplant, sondern beruhte auf dem Zufallsprinzip. Am Bahnhof nahm er den ersten Fernverkehrszug und fuhr damit eine Stunde. Dann stieg er aus, schaute sich die Stadt ein wenig an und fuhr weiter. Als Bahncard 100-Besitzer kann man das ja mal machen. Dokumentiert hat er alles in seinem tumblr-Blog.

Ein wenig driftete seine Session ab und ich war nicht ganz unschuldig daran, denn jeder im Raum gab ein paar Bahnfahr-Erlebnisse zum Besten. In meinem Blog hat 2009 ja mit dem Deutschlandpass der Deutschen Bahn ja alles begonnen. Das war so ähnlich wie das #bahnlotto, nur dass ich vier Wochen Zeit zur Verfügung hatte und meine Tagestrips meist ein festes Ziel hatten und ich zumindest die Hinfahrt am Vorabend kurz vor dem Schlafen gehen noch zusammengestellt habe.

Sebi mit unseren Burgern, die wir auf dem Grill zubereiteten.

Sebi mit unseren Burgern, die wir auf dem Grill zubereiteten.

In der Session muss Michael festgestellt haben, dass Malte und ich ein wenig bahnbekloppt sein müssen, aber das ist eine andere Geschichte, die möchte ich heute noch nicht erzählen. Leider nicht stattgefunden haben die Kuba und die Heimatsession, wobei zu Heimatsession hat Michael wirklich lesenswertes gebloggt. Das lest ihr euch einfach mal in seinem Blog durch!

Das Ende.

Den Nachmittag verbrachten wir dann nochmal draußen und haben uns ein wenig die Zeit mit einer Art „Crossgolfen“ vertrieben. Einige Teilnehmer sind aber auch schon aufgebrochen zur Heimfahrt. Das restliche Grüppchen gesellte sich noch in Tim’s Steakhouse zum Abendessen zusammen. Muss sagen, das Essen war verdammt gut! Lustige Story am Rande, Flo hatte unseren WLAN-Drucker mit ins Restaurant geschleppt und so konnte ich ein leicht freaky Foto machen! #instafoodporn für Fortgeschrittene sozusagen.

Mein Essen mit Erinnerungsfoto, wie er 5 Minuten vorher aussah.

Mein Essen mit Erinnerungsfoto, wie er 5 Minuten vorher aussah.

Gegen 19 Uhr endete das Pathcamp dann endgültig, die restlichen Teilnehmer brachen auch vollends auf. Nur ich musste natürlich wieder das günstige Sparticket bei der Bahn buchen und so musste ich noch ein wenig Zeit vertreiben bis mein Zug um 20.30 Uhr schließlich fuhr. Zu meiner Verteidigung sei aber gesagt, dass die Fahrt um 18.30 Uhr zu früh war und dazwischen gab es nur nervige Verbindungen, bei denen ich zu oft hätte umsteigen müssen.

So zeigte mir Flo noch sein Studio und kurz seine Wohnung in Offenburg. Um 20 Uhr ging’s dann zurück zum Bahnhof. Die Heimfahrt war im Gegensatz zur Hinfahrt total unspektakulär, da mein ICE und IC beide pünktlich waren. Am Offenburger Bahnhof aber machte ich große Augen, als ich sah, dass gleich der Nachtzug von Basel nach Moskau einfahren wird. Immerhin Europas längste durchgehende Zugverbindung. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen!

Ein Waggon der russischen Eisenbahn im Zug von Basel nach Moskau.

Ein Waggon der russischen Eisenbahn im Zug von Basel nach Moskau.

Was ich nicht wusste: die Zugverbindung nach Moskau besteht nur aus einem Kurswagen, die restlichen Waggons im Zug waren normale CityNightLiner-Waggons der Deutschen Bahn, die nach Kopenhagen geführt wurden. Natürlich kam der Moskauer Waggon am äußerten Bahnsteigende zum Stehen, sodass ich ziemlich spurten musste, um ihn mal aus der Nähe anzusehen. Die Menschen in den Abteilen müssen mich für leicht bescheuert gehalten haben, als ich auch noch angefangen habe, ihren Waggon aus nächster Nähe zu fotografieren, aber was soll’s!

Mein Fazit:

Für mich war es ein sehr schönes Wochenende und ich fuhr total geflashed von den vielen neuen Eindrücken und Kontakten nach Hause. Vom Gefühl her empfand ich die Pathcampheimfahrt wie die Heimfahrt von meinem allerersten Barcamp in Nürnberg. Wie sich im Nachgang herausstellte empfanden das Pathcamp leider nicht alle Teilnehmer so toll, einige Teilnehmer fanden es nur so „ganz okay“, zu unstrukturiert und trotz Abgeschiedenheit durch die vielen Gadgets vor Ort noch als zu technisch.

Darüber werden wir nun noch ein wenig in unserer internen Gruppe diskutieren, denn es soll irgendwann mal eine Fortsetzung des #Pathcamps geben. Ich für meinen Teil konnte mich beispielsweise nicht so recht mit der Anmeldeprozedur anfreunden. Ich mag es lieber, wenn sich prinzipiell jeder anmelden kann.

Abschließend möchte ich Flo nochmals für die Orga und das viele reingesteckte Herzblut sowie allen Teilnehmern für das tolle Wochenende danken! Einige von Euch sehe ich ja schon bald beim BarcampRuhr in Essen wieder. Ich freue mich schon!

Ach und wer wissen will, warum die Hinfahrt mit der Bahn ein wenig Action versprühte, der muss mich eben fragen. Die Story habe ich jetzt nämlich vergessen unterzubringen, aber der Blogpost ist nun wirklich schon lang genug. 😉


Dieser Artikel wurde am 27. Februar 2013 um 21:08 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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3 Kommentare

  • Reply Beate Schmitz 27. Februar 2013 at 22:25:01

    Bahnbekloppt würde ich noch in Deine Bio aufnehmen 😉
    Und ansonsten Danke für die Erklärung was ein Pathcamp ist. Ich wurde nicht enttäuscht 🙂 Es scheint so besonders und geheimnisvoll zu sein wie es sich aus Deinen wenigen Andeutungen herauslesen lies.

  • Reply mahrko 28. Februar 2013 at 12:22:00

    Danke, Danke! Hat ja auch lang genug gedauert 😉

  • Reply Revolution zur neuen Gelassenheit | NERO. 2. März 2013 at 17:48:23

    […] Weitere Artikel über das Pathcamp gibt es bei Michael “Hallöchen” Domsalla, Nils Neumann und Marco Bereth. […]

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