Radreise 8. April 2018

Frühlingsbeginn auf dem Moselradweg – 95 Kilometer von Trier nach Traben-Trarbach

Gewissermaßen ein Symbolbild für den Radweg.

Wie der eine oder andere Leser hier im Blog vielleicht schon weiß, bin ich seit letztem Sommer nach Pause von etwa 10 Jahren endlich wieder Fahrradbesitzer und Fahrradfahrer. Weil ich bergauf fahren aber noch nie mochte und auch mal größere Touren fahren wollte, wurde es ein Pedelec, das was man umgangssprachlich als E-Bike kennt. Das nur vorweg weil ich noch nie über mein Rad gebloggt hab.

Dieses Wochenende war es dann mal wieder soweit. Endlich konnte man wieder ohne dicke Handschuhe losradeln. Viel Sonne und über 20 Grad waren angekündigt! Das musste natürlich ausgenutzt werden. Hier ein kleiner Einblick in meine Route. Wer Fragen dazu hat, gerne unter dem Artikel kommentieren.

Mein Radweg durch das Moseltal, hier mal eine flaches Stückchen durch Weinberge.

Mein Radweg durch das Moseltal, hier mal eine flaches Stückchen durch Weinberge.

Nachdem ich Freitag einfach auf gut Glück und ohne Ziel auf mehr oder weniger schon bekannten Wege entlang des Rheins eine Runde drehte, sollte es am Samstag wieder eine richtige Tour werden – „richtige Tour“ bedeutet für mich dann meist, dass ich erstmal mit der Bahn zum Startpunkt der Tour fahre. So jedenfalls überlegte ich mir das am Freitagabend kurz vor Mitternacht.

Schnell fiel die Wahl auf Moseltal – eigentlich aus recht pragmatischen Gründen: a) war ich dort noch nie, b) kommt man mit dem Zug von Wiesbaden gut hin und c) soll es da recht schön sein. Ach so, nicht wundern, ich hatte diese Woche ein Freitag-Samstag-Wochenende, weil ich Sonntag wieder Dienst hatte.

Der Blick über Deutschlands älteste Stadt.

Der Blick über Deutschlands älteste Stadt.

Die richtige Tour finden …

Nun galt es nur noch die richtige Etappe zu finden. Als Startpunkt wählte ich Trier, anschließend checkte ich die Route des Moselradweges, dessen vorgeschlagene Etappen und einen möglichen Zielort. Was ich da noch nicht wusste: die Bahnstrecke verläuft nur von Koblenz bis Bullay im Moseltal, danach verlässt sie es und fährt in einem größeren Bogen auf den Höhen der Südeifel Richtung Trier. Blöd für mich, bis Bullay waren es ab Trier fast 120 Kilometer. Ein bisschen weit für die erste große Tour.

Der Blick von einer der vielen Brücken über die Mosel.

Der Blick von einer der vielen Brücken über die Mosel.

Aber es gab Abhilfe: zum Glück gibt es mit der Moselweinbahn noch eine kleine Nebenbahn, die mir entgegen fuhr und die Radtour auf 95 Kilometer verkürzte. Die Strecke sollte auf der fast keine Steigungen aufweisenden Strecke gut machbar sein. Den GPX-Track der Route runterladen, in komoot anpassen und aufs iPhone laden und noch schnell die Zugverbindung checken. Fertig war die Vorbereitung. War mit halb zwei ja auch spät genug geworden.

95 Kilometer auf dem Moselradweg

Am Samstag klingelte der Wecker dann bereits um 6:30 Uhr, denn ich wollte die Verbindung um 7:32 Uhr nehmen und so kurz nach 11:30 Uhr in Trier sein. Ja, man fährt leider fast 4 Stunden Regionalbahn ab Wiesbaden, aber die Tour war das frühe Aufstehen auf jeden Fall wert! Nach kurzem Sightseeing-Abstecher durch die Trierer Altstadt am Dom und Porta Nigra entlang ging’s dann um 12 Uhr richtig los.

Dieser Abstecher darf in Trier natürlich nicht fehlen. Die Porta Nigra.

Dieser Abstecher darf in Trier natürlich nicht fehlen. Die Porta Nigra.

Wahnsinn was da an einem Samstag kurz vor Mittag schon los ist in Trier – die Asiatendichte war sicher so hoch wie Rothenburg ob der Tauber oder auf Schloss Neuschwanstein. Die Mischung aus ältester Stadt in Deutschland und Geburtsstadt von Karl-Marx muss es wohl ausmachen.

Aber zurück zum Radweg. Die Anbindung und Ausschilderung aus Trier raus könnte man noch etwas verbessern. Aber sobald man erstmal auf dem Moselradweg ist, ist er auch bestens ausgeschildert, an 2-3 Baustellen sogar die Umleitungen. Vorbildlich! Meist denkt man bei Baustellen und Umleitungen ja nur an Autos.

Die ersten Kilometer fährt man gleich schön direkt entlang der Mosel, bevor man dann in Trier-Pfalzel aufgrund des Hafens etwas durch die Siedlung und Industriegebiet geführt wird. Diese zwei Kilometer sind jetzt nicht die schönsten, aber es sollte zum Glück der einzige Umweg durch Industriegebiete bleiben.

Rast machen kann man alle paar hundert Meter. An Bänken und Tischen mangelt es nicht!

Rast machen kann man alle paar hundert Meter. An Bänken und Tischen mangelt es nicht!

Raus aus Trier …

Überhaupt wird es nach Trier sehr schnell sehr ländlich. Eigentlich folgten die nächsten 90 Kilometer nur noch Flussufer, Weinberge, ein paar Wiesen sowie Straußenwirtschaften, Cafés, Ferienwohnungen in hübschen knuffigen Weindörfern. Ach und natürlich Campingplätze mit Wohnmobilen en masse aus halb Europa.

Hält man sich an die offiziellen Etappen des Moselradweges, so bestand meine Tour übrigens aus den Etappen Nummer 4, Nummer 5, Nummer 6 und Nummer 7. Klar, der Tourismusverband will die Gäste länger in der Region halten oder auch ältere Gäste oder Familien ansprechen, die vielleicht keine allzu langen Strecken wollen. So gesehen sind die 20 bis 25 Kilometer langen Abschnitte ziemlich gut konzipiert. Wer mehr fahren will, der kann ja einfach mehrere Einzeletappen zusammenlegen.

Auf dem Moselradweg - wie schön es hier wohl erst im Sommer sein muss?

Auf dem Moselradweg – wie schön es hier wohl erst im Sommer sein muss?

Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke

Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit hatte ich mir die Beschreibungen zu den einzelnen Etappen erst im Zug durchgelesen. Zur Einstimmung ganz nett, aber auch nicht unbedingt notwendig. Ich wollte ja ohnehin lieber Strecke machen als Heimatmuseen besuchen oder Denkmäler angucken.

Aber ein paar bauliche Highlights gabs schon noch. Zum Beispiel das ganz frisch renovierte Schloss in Liesel. Soll wohl ein Luxushotel sein oder werden. Bilder von der Inneneinrichtung gibt’s auf der Schloss-Homepage. Die Zimmerpreise erfährt man dort aber leider nicht. Dazu muss man vielleicht die niederländische Telefonnummer der Homepage anrufen. Ich habs nicht ausprobiert.

Das Schloss in Liesel. Ganz frisch renoviert und wohl demnächst Luxushotel.

Das Schloss in Liesel. Ganz frisch renoviert und wohl demnächst Luxushotel.

Aber Achtung, der Radweg führt unterhalb des Deichs dran vorbei. Im Gegensatz dem Einfach-so-rumsteh-Tor direkt am Ufer kann man es also leicht übersehen. Also merken: wenn man das Tor sieht, dann kurzen Abstecher auf den Hochwasserdeich machen.

Ein rästelhaftes Tor unterhalb des Schlosses in Lieser an der Mosel.

Ein rästelhaftes Tor unterhalb des Schlosses in Lieser.

Sowieso fand ich die Geschichten, die man nicht planen kann viel spannender. Wann startet schon einmal ein Wasserflugzeug neben einem auf dem Fluss? Leider war ich zu langsam für ein Foto. Laut Trierer Zeitung gibt es nur ganze drei Stück in Deutschland. Dem Schleußenvorgang zuschauen finde ich auch immer beeindruckend und die fast fertige Hochmoselbrücke war mir ebenfalls eine kurze Rast wert.

Hier entsteht gerade die 1700 Meter lange und 160 Meter hohe Hochmoselbrücke.

Hier entsteht gerade die 1700 Meter lange und 160 Meter hohe Hochmoselbrücke.

Das Leben auf dem Land

Total urig fand ich auch den Eisen- und Schrotthändler, der am Samstagmittag mit einer auf seinem LKW läutenden Glocke durch die Käffer fuhr. Das gab’s vor 15 Jahren in meinem Heimatdorf Fronrot auch mal – hier im Moseltal immer noch.

Wo sich die Orte entlang der Mosel aber wenig vom restlichen Deutschland unterscheiden, das ist die Garten- und Autopflege! Wenn einmal ein Häuschenbesitzer angefangen hat mit dem Rasenmähen, dann konnte man fast sicher sein, dass sich seine Nachbarn links und rechts derselben – wohl ansteckenden – Tätigkeit widmeten.

Und wenn nicht das, dann wurde meist die Terrasse gekärchert oder Moselanwohner waren dabei die Reifen am Auto zu wechseln. Was man Samstagsnachmittag halt so macht im Dorf, bevor dann die Bundesliga in der Glotze läuft.

Unzählige urige Weindörfer reihen sich entlang der Mosel auf.

Unzählige urige Weindörfer reihen sich entlang der Mosel auf.

Was bei mir etwas kurz kam, war das Rastmachen. Eigentlich hätte ich gerne an einem der vielen netten Cafés direkt an der Mosel einen Kuchen gegessen, aber ich wollte direkt nach meiner Mittagsvesperpause nicht schon wieder anhalten. Deshalb fuhr ich dann einfach durch und setzte alles auf ein nettes Abendessen, das mir dann wiederum durch die Amokautofahrt in Münster verdorben wurde. Danach war erstmal der Appetit weg. So wurde es dann nur ein kühles Bier in Traben-Trarbach – dem Zielort meiner Tour.

Und ja ich weiß. In einer Weinregion Bier trinken. Macht man nicht, aber mir war einfach lieber nach Bier als nach Wein. 🙂

Je enger das Moseltal, desto verschlungener der Verlauf der Mosel.

Je enger das Moseltal, desto verschlungener der Verlauf der Mosel.

Wie anfangs schon erwähnt, gibt’s ab Traben-Trarbach wieder eine Bahnverbindung. Vom eingleisigen Kopfbahnhof fährt stündlich zur vollen Stunde eine Bummelbahn nach Bullay, wo man Anschluss an die Bahnen nach Koblenz oder zurück nach Trier hat. Alles in allem eine empfehlenswerte Tour. Man muss beim der Rückfahrt nur etwas Glück haben, das Platzangebot im Zug ist nicht das Größste, aber acht bis zehn Räder passen schon rein. Ein Foto der XXL-Bahn findet ihr ganz am Ende des Blogbeitrages.

Meine Tour bei komoot. Dort könnt ihr den GPX-Track downloaden.

Meine Tour bei komoot. Dort könnt ihr den GPX-Track downloaden.

Meine Route als GPX-Download

Wie man bei komoot auch sehen kann: die Tour verläuft fast immer auf separatem Radweg und meist direkt entlang der Mosel. Nur ein paar Abschnitte führte der Radweg auf ehemaliger Bahntrasse direkt an der Bundesstraße entlang. Wenn ihr den Link von komoot aufruft und nicht angemeldet seid, einfach runterscrollen. Dann verschwindet die aufdringliche Anmeldemaske.

Noch ein Satz zum Untergrund des Weges: die Strecke verläuft fast immer auf gutem Asphalt-Belag, einzelne Stellen wurden etwas von Baumwurzeln hochgedrückt, aber zumindest mit Achtung-Schildern versehen. Ein paar hundert Meter geht’s über Kopfsteinpflaster, über Schotter aber nie.

Der Radlerbus durch das Moseltal. Der Busfahrer hilft gerade beim Montieren der Räder.

Der Radlerbus durch das Moseltal. Der Busfahrer hilft gerade beim Montieren der Räder.

Der Radlerbus durch das Moseltal

Apropos Heimfahrt: wem die Strecke von Trier bis nach Traben-Trarbach zu weit ist, einfach eine Übernachtung einplanen oder auf den Radler-Bus zurückgreifen. Aber Fahrplan vorher checken! Er fährt nur morgens, mittags und abends. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich außerdem ein Plätzchen im Bus und auf dem Fahrradanhänger reservieren. Infos dazu gibt’s auf einer eigenen Seite.

Die Bummelbahn brachte mich abends das kurze Stück bis nach Bullay.

Die Bummelbahn brachte mich abends das kurze Stück bis nach Bullay.

Etwas unkomplizierter war da meine Heimfahrt mit der Bahn. Hier muss man einfach nur hoffen, dass man einen Platz findet mit seinem Rad. Als Ticket für die Hin- und Rückreise diente mich ein Rheinland-Pfalz-Ticket für 24 Euro. Das Fahrrad war auf meinen Strecken am Wochenende kostenlos mitzunehmen.

Aber zur Fahrradmitnahme im Zug schreibe ich wohl mal noch einen eigenen Blogpost. Das Transportieren ist an und für sich ist einfach geworden mit den Niederflurbahnen und hohen Bahnsteigen. Aber ob man jetzt  extra Fahrradticket braucht oder nicht, da gibt es keine einheitliche Regelung. Jeder Landkreis bzw. Verbund handhabt das anders… 🙁


Dieser Artikel wurde am 8. April 2018 um 22:27 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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