Radreise 15. Juni 2018

Rheinradweg 5. Etappe Teil 2: Kehl am Rhein – Drusenheim – Karlsruhe (94,7 km)

Was für eine Erleichterung! Als ich morgens am sechsten Tag aus dem Fenster geschaut hatte, schien wie die ersten vier Tage erneut die Sonne! Nach einem regenbedingten Pausentag konnte ich am Freitag nach Himmelfahrt die letzte Etappe antreten. Es warteten rund 90 Kilometer durch die oberrheinische Tiefebene und das nördliche Elsass auf mich. Zielort der Etappe war der Karlsruher Hauptbahnhof. Aber das Zielfoto hatte ich schon am Karlsruher Schloss schießen lassen.

Etappe 5b: Kehl - Drusenheim- Karlsruhe

Etappe 5b: Kehl – Drusenheim- KarlsruheDie Etappen von Karlsruhe nach Worms und von Worms nach Mainz bin ich schon letzten Sommer gefahren. Damit kann ich nun sagen, dass ich den Rheinradweg von Konstanz bis Bingen komplett gefahren bin. Fehlen „nur“ noch der Alpenrhein von der Quelle zum Bodensee und die restlichen 500 Kilometer Mittel-, Nieder- und Deltarhein bis zur Nordsee. Zusammen mit dem Elberadweg und einer Radtour von Berlin nach Rügen stehen die auf der Liste der nächsten größeren Radtouren.

Am frühen Morgen auf den Rheindämmen nördlich von Kehl.

Am frühen Morgen auf den Rheindämmen nördlich von Kehl.

Morgens ärgerte ich mich kurz hinter Kehl noch ein bisschen über ein kurzes Stück nicht gemähtes und noch feuchtes Gras entlang meines Deichradweges, aber sonst lief alles wie am Schnürchen. Auf Deutscher Seite führte der Radweg einige Kilometer über wenig befahrene Kreisstraßen, großteils aber über leicht geschotterte Deichwege und gut ausgebaute Feldwege.

Bei Lichtenau am Rheinknie „Alter Kopfgrund“ wechselte ich nochmal die Landesgrenze zurück nach Frankreich. Brücke gibt’s dort keine, aber eine Autofähre nach Drusenheim. Ich hatte schon etwas Kleingeld rausgekramt, als ich darauf hingewiesen wurde, dass die Fahrt kostenlos sei. Der Französische Staat macht es möglich.

Mit der kostenlosen Französischen Fähre ging es nochmal rüber ins Elsass.

Mit der kostenlosen Französischen Fähre ging es nochmal rüber ins Elsass.

 

Ich finde das sollte in Deutschland auch so sein. Anwohner an längeren Flussabschnitten ohne Brücken sind durch die begrenzten Fährzeiten, Wartezeiten und langsame Überfahrten eigentlich schon genug gestraft, da sollten sie nicht auch noch Maut pro Überfahrt bezahlen müssen. Ich zum Beispiel pendel von Wiesbaden nach Mainz über den Rhein. Brückengeld kostet mich das keinen Cent. Würde ich jedoch von Bingen nach Rüdesheim pendeln, dann müsste ich für die Jahreskarte der Fähre als Fußgänger 250 Euro, als Radfahrer 400 Euro und als PKW-Fahrer gar 690 Euro hinblättern! Oder eben pro Überfahrt 50 Kilometer Umweg in Kauf nehmen.

Sooooooo lecker! Mit Nußnugat und Marzipan gefüllt! <3

Sooooooo lecker! Mit Nußnugat und Marzipan gefüllt! <3

Aber zurück ins Elsass: in Drusenheim angekommen knurrte so langsam der Magen. Ich hatte ja bisher auch nichts gefrühstückt. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Boulangerie im Dorfzentrum. War auch schnell eine gefunden, zunächst aber hob ich an einem Automaten noch Geld ab. In der Bäckerei fragte ich die Verkäuferin auf Französisch, ob ich die Bestellung denn auf Deutsch aufgeben dürfte. Ruckzuck wechselte sie ins elsässische und ich bestellte die drei leckersten süßen Teilchen, die ich seit langem gegessen hab!

Beim Bezahlen bemerkte ich dann, dass ich mir das Geld abheben hätte sparen können. Die kleine Bäckerei nahm so ziemlich alles an Karten, was man sich im bargeldlosen Zahlungsverkehr vorstellen konnte. Manches kann das Ausland einfach besser als Deutschland.

Ein Bürgermeisteramt im Elsass.

Ein Bürgermeisteramt im Elsass.

Nördlich von Drusenheim fuhr ich dann wieder ein paar Kilometer über kleinere Straßen und durch hübsch hergerichtete Dörfchen bis die Route ab Beinheim schließlich wieder direkt am Rhein entlang verlief. Hier war auch ungefähr Halbzeit der Strecke. Aufgrund einer Baustelle auf dem Radweg war ich etwas verwirrt, aber im Elsass überhaupt kein Problem. Ein netter Rentner hatte mich beobachtet, sprach mich gleich auf Deutsch an und loste mich zielgenau um die Baustelle rum Richtung Deutschland.

Am Delta der Sauer - blaugrün schimmerndes Wasser.

Am Delta der Sauer – blaugrün schimmerndes Wasser.

Kurz darauf folgte das Naturreservat der hier in den Rhein mündenten Sauer. Wünderschön dort! Am liebsten wäre ich hier mal kurz ins glasklare Wasser gesprungen. Und alles voller Angler mit Deutschem Kennzeichen. Aber Radfahrer waren so gut wie keine unterwegs. Den Eurovelo15 hatte ich so gut wie für mich alleine. Kurz vor der Grenze nach Deutschland passierte ich dann noch den Gefahrenbereich eines Chemiewerks. Überall Schilder, dass man das Gebiet bei lang anhaltendem Heulton sofort zu verlassen habe. Hier hab ich dann lieber mal keine Pause gemacht, aber es blieb auch alles ruhig.

Habt ihr schon einmal so viele Schwäne auf einem Fleck gesehen?

Habt ihr schon einmal so viele Schwäne auf einem Fleck gesehen?

Die Grenze ist übrigens ein gutes Stichwort. Es gab nämlich überhaupt kein Schild. Auf einmal hatten die Radwegschilder wieder das Deutsche Design. Mehr gab’s nicht zu sehen. Wenige Kilometer später wechselte ich an der Rheinfähre Neuburg wieder die Rheinseite. Da auf beiden Seiten Deutschland lag, war nun auch wieder für die Überfahrt zu bezahlen. Von hier waren es noch rund 20 Kilometer bis Karlsruhe. Auch die meisterte ich vollends mit Bravour – inklusive Beweisfoto am Karlsruher Schloss.

In Deutschland waren auf einmal wieder sehr viele Freizeitradler unterwegs.

In Deutschland waren auf einmal wieder sehr viele Freizeitradler unterwegs.

In Karlsruhe stand aber auch noch ein kurzer Twittertreffen auf dem Plan. Vor seinen Dienst konnte ich noch schnell mit @schienenstrang einen Kaffee trinken. Er arbeitet als Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn und ich lese seine Tweets seit einiger Zeit recht gerne. Er war es dann auch, der mir bestätigte, dass mein am Vortrag gekauftes Bahnticket heute noch gültig sei. Flextickets mit über 100 Kilometer Reisestrecke sind zwei Tage gültig, müssen nur am ersten Tag angefahren werden. Und das hatte ich ja gemacht mit dem Abstecher nach Offenburg, hätte aber ohnehin keiner nachprüfen können… 🙂

Das Ziel meiner Reise: der Karlsruher Hauptbahnhof.

Das Ziel meiner Reise: der Karlsruher Hauptbahnhof.

Von Karlsruhe ging es dann im direkten und schnellen RegionalExpress mit zwei Stunden Fahrzeit nach Mainz. Radmitnahme war dank Niederflurfahrzeuge viel einfacher als im InterCity. Dank der Steckdose im Zug konnte ich sogar meinen Fahrradakku etwas nachladen. Ab Mainz fuhr ich die letzten 12 Kilometer nach Wiesbaden dann nochmal selbst, sodass die Etappe eigentlich 106 Kilometer lang war. Unfallfrei und pannenfrei zwar müde aber glücklich kam ich so am Freitagabend nach 482 Kilometer wieder zuhause an. Insgesamt saß ich für die Strecke rund 24 Stunden auf dem Rad.

Die Kosten:

Da das Bahnticket schon am Vortrag bezahlt wurde und ich abends wieder im eigenen Bett geschlafen habe, beschränken sich die Ausgaben am letzten Tag auf 3 Euro beim Elsässer Bäcker, 2 Euro für die Fähre und rund 10 Euro im Karlsruher Straßencafé. Somit war der letzte Tag mit 15 Euro der günstigste. Die Gesamtausgaben der Radtour liegen damit bei 575 Euro für 6 Tage Urlaub in Deutschland, Schweiz und Frankreich.

Meine Etappen:

Die Länge von etwa 90 Kilometern am Tag finde ich ziemlich optimal. Einerseits macht man jeden Tag ein großes Stück und andererseits ist man nach circa 5 Stunden auch am Ziel. So bleibt am Zielort auch noch etwas Zeit die Stadt zu erkunden. Und die sollte man in Basel, Colmar und Straßburg auf jeden Fall einplanen! Zu genauen Routen und natürlich vielen weiteren Bildern einfach die einzelnen Blogposts zu der jeweiligen Etappe anklicken.

Nützliche Links:


Dieser Artikel wurde am 15. Juni 2018 um 23:04 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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