Eisenbahnreise 13. August 2018

Tag 8 der Tour Baltica: Von Estland ins Reich der Zaren

Leider muss ich euch schon wieder beichten, dass ich lieber wieder eine Etappe Bus statt Eisenbahn gefahren bin. Warum jetzt schon wieder fragt ihr euch wahrscheinlich. Das hängt damit zusammen, dass es von Tallinn nach St. Petersburg nur eine einzige Zugverbindung am Tag gibt. Zwar umsteigefrei aber eben im Nachtzug nach Moskau. Nachtzug klingt ja erst einmal toll, aber Schlafen lohnt sich darin nur, wenn man auch wirklich bis Moskau durchfährt.

Der Busbahnhof in Tallinn war fest in der Hand von LuxExpress.

Der Busbahnhof in Tallinn war fest in der Hand von LuxExpress.

Wer nur nach St. Petersburg will, so wie ich, der muss den Zug um Mitternacht verlassen und sich dann zur „Geisterstunde“ durch ein fremdes Land in einer fremden Stadt durchschlagen. Davor hatte ich ein bisschen zu viel Respekt und hab mich daher für den Bus entschieden. So kam ich um 18:00 Uhr an. War jetzt aber auch die letzte Etappe, die ich bei Alternativen durch Züge auf einen Bus ausgewichen bin.

Die Landschaft war wenig spektakulär. Felder und Wälder wechselten sich ab.

Die Landschaft war wenig spektakulär. Felder und Wälder wechselten sich ab.

Die Fahrt selbst war bis auf die Grenzkontrolle nicht der Rede wert. Die ganze Prozedur hat etwa 75 Minuten in Anspruch genommen. Auf estnischer Seite mussten alle im Bus sitzen bleiben. Die Pässe wurden hierfür von einem Grenzbeamten eingesammelt und in seiner Station kontrolliert. Anschließend bekamen alle ihren Pass wieder und der Bus fuhr über den Grenzfluss Narva. Ein Bild der Grenzstation habt ihr ganz zu Beginn des Artikels gesehen.

Der Grenzfluss Narva zwischen Estland und Russland. Die Brücke gut gesichert.

Der Grenzfluss Narva zwischen Estland und Russland. Die Brücke gut gesichert.

Auf russischer Seite dann die zweite Kontrolle. Allerdings mussten wir hier aussteigen und jeder wie in einem Flughafen einzeln am Grenzposten vorbei. Das Visum wurde genauestes kontrolliert, alles auf Echtheit überprüft und letztendlich gab es den Stempel im Reisepass.

Im Bus wieder dieselbe Ausstattung wie auf den anderen Fahrten.

Im Bus wieder dieselbe Ausstattung wie auf den anderen Fahrten.

Auch hier kamen alle Reisenden in meinem Bus erfolgreich durch. Es dauerte halt nur eine Weile, bis 52 Reisende an zwei Schaltern durchgeschleust waren. Von nun an waren es noch rund 180 Kilometer bis St. Petersburg. Durch einen kleinen Stau hat die Fahrt ungefähr 2,5 Stunden gedauert. Aber es war ordentlich Luft im Fahrplan, der Bus erreichte das Ziel trotzdem noch 15 Minuten eher.

Eine doppelstöckige Hochstraße mitten durch St. Petersburgs Vororte.

Eine doppelstöckige Hochstraße mitten durch St. Petersburgs Vororte.

In St. Petersburg konnte man wählen, wo man aussteigt. Der erste Stopp war am Baltischen Bahnhof. Der zweite am Busbahnhof etwa 1,5 Kilometer südlich des Moskauer Bahnhofs. Im Nachhinein wäre es schlauer gewesen auch schon am Baltischen Bahnhof auszusteigen und mit der roten Metrolinie umsteigefrei 5 Stationen zu fahren. Vom Busbahnhof bin ich dann halt ungefähr zwei Kilometer gelaufen zu meinem Hotel. Das war auch kein Problem. Hat halt nur länger gedauert.

Der Nachtzug Tallinn – Moskau

Nachfolgend noch drei Fotos vom Nachtzug Tallinn – St. Petersburg – Moskau, der mir am Baltischen Bahnhof in Tallinn zufällig vor die Linse rollte. Wenn ich die Strecke wieder einmal fahren sollte, würde ich ihn wohl nehmen. Oder einen anderen nach Moskau oder noch weiter in den Osten Russlands. Dass die Sprach- und Schriftbarrieren zu meistern sind, hab ich jetzt ja erfahren.

Der Nachtzug der Russischen Eisenbahn nach Moskau.

Der Nachtzug der Russischen Eisenbahn nach Moskau.

An jeder Tür stand eine Provodnik um Fahrkarte und Papiere zu kontrollieren.

An jeder Tür stand eine Provodnik um Fahrkarte und Papiere zu kontrollieren.

Dieses Ungetüm von Lok zog den aus 17 Wagen bestehenden Nachtzug.

Dieses Ungetüm von Lok zog den aus 17 Wagen bestehenden Nachtzug.

Wie bekommt eigentlich ein Visum für Russland?

Abschließend noch ein Wort zum Visum für Russland. Leider keine ganz billige Sache. Und auch ein bisschen aufwändiger als zum Beispiel ein Visum für Vietnam. Man braucht nämlich eine Einladung ins Land, einen Nachweis, dass man Geld verdient und die Absicht hat wieder heimzufahren. Außerdem noch einen Nachweis der Auslandskrankenversicherung, dass sie auch für Aufenthalte in Russland zahlt.

Das mit der Einladung hab ich so gelöst, dass ich eine Reiseagentur dafür beauftragt habe. Unten verlinkt. Die haben nun dafür gesorgt, dass für mich eine Einladung vorliegt und dann das Visum beim Konsulat besorgt. Ungefähr 15 Euro zusätzlich zum Visum hat der Service gekostet. Alles zusammen ohne Versand 87 Euro. Die Agentur hat ihren Sitz in Frankfurt. Für mich als Wiesbadener recht praktisch, da ich den Reisepass keinesfalls mit der Post senden wollte. Mehr zu meinem Aufenthalt in St. Petersburg erfahrt ihr in den einzelnen Artikeln zur Stadt.

Nützliche Links:

Statistik der Tour Baltica Tallinn – St. Petersburg Gesamte Tour:
Kilometer: 375 Kilometer 2811 Kilometer
Im Zug* verbrachte Zeit: 6 Stunden 50 Minuten 42 Stunden 10 Minuten
Gesammelte Verspätung: -15 Minuten -29 Minuten**
Anzahl der Züge: 2 11
Anzahl der Busse: 1 4
Anzahl der Speisewagenbesuche: 1** 1,5
Fahrpreis: 25 € 128,90 €

* Im Fernbus

** Laut Twitter-Umfrage durfte ich den Restaurantbesuch in den ausrangierten Eisenbahnwaggons in Tallinn mitzählen.


Dieser Artikel wurde am 13. August 2018 um 09:28 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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