Eisenbahnreise 21. August 2018

Tag 15 der Tour Baltica: Mit der Finnischen Eisenbahn in den Osten des Landes

Am Freitag, dem 17. August, standen dann insgesamt 749 Kilometer vor mir. Zunächst fuhr ich mit einem Doppelstock-IC der Finnischen Bahn VR umstiegsfrei in fünf Stunden nach Joensuu. Dort hatte ich dann knapp vier Stunden Aufenthalt, bevor es am Nachmittag über Pieksämäki weiter ging zum Etappenziel Kuopio.

Erster Zwischenstopp war Joensuu. Unterführungen gibt's in Finnland meist keine.

Erster Zwischenstopp war Joensuu. Unterführungen gibt’s in Finnland meist keine.

Die erste Fahrt in einem neuen Zug war wieder mal sehr interessant. Vieles ist natürlich gleich wie in deutschen Zügen, aber es gibt kleine interessante Unterschiede. Auf jeden Fall sind die DuettoPlus-Züge sehr komfortabel ausgestattet. Es gibt bequeme verstellbare Sitze, einigermaßen große Gepäckablagen, trotz der doppelstöckigen Wagen. Vielleicht macht sich hier wieder die russische Breitspur bemerkbar, auf der auch die Finnische Eisenbahn fährt. Eigentlich liegen die Gleise hier sogar 1524 Millimeter auseinander. Also nochmal 4 Millimeter mehr als in Russland, aber das läuft unter Spielraum. Russische Züge können die Gleise problemlos nutzen.

Wer in Finnland Eisenbahn fährt, der muss grün mögen.

Wer in Finnland Eisenbahn fährt, der muss grün mögen.

In Zügen der VR lässt sich bei der Sitzplatzreservierung sehr genau festlegen, wo man sitzen mag. Es gibt Hundebereiche und hundefreie Bereiche. Es gibt Vis-à-Vis Sitze mit Tisch, es gibt Kinderspielecken, das Bordrestaurant mit seiner Sitzecke und darüber noch eine Art 1. Klasse, die es aber offiziell gar nicht gibt in Skandinavien. Genannt wird das hier Extra-Klasse und ist für rund 12 Euro Aufpreis je Fahrt zu haben.

Die Schließfächer waren extrem günstig!

Die Schließfächer waren extrem günstig!

Dann habe ich noch in jedem Wagen Handytelefonier-Kabinen entdeckt und Schließfächer. Kleine und große. Meistens direkt am Einstieg, sodass man seinen Koffer auch mal einschließen und ruhigen Gewissens ins Restaurant gehen kann.

Erst hielt ich die Mülltüten ja für Kotztüten. Notfalls kann man sicher auch dafür verwenden.

Erst hielt ich die Mülltüten ja für Kotztüten. Notfalls kann man sicher auch dafür verwenden.

Statt Mülleimer am Platz gibt es überall die Plastiktütenhalterungen. Erst hab ich die Tüte immer abgerissen und dann gefüllt. Aber inzwischen hab ich raus, dass man einfach nur die eine Seite öffnet und dann seinen Müll rein wirft. Das Reinigungspersonal reißt dann die Tüte ab und der nächste Reisende füllt die nächste Tüte.

Immer einen Blick wert. Die am Fenster vorbeiziehende Landschaft.

Immer einen Blick wert. Die am Fenster vorbeiziehende Landschaft.

Etwas blöd für Interrailer – ohne Sitzplatzreservierung – ist, dass die Finnische Bahn keine Platzkarten oder Reservierungsanzeigen kennt. Man benötigt zwar keine Reservierung, aber man kann auch nie sehen, an welchem Bahnhof man den eben bezogenen Sitzplatz denn wieder räumen muss. Von Helsinki nach Joensuu ging mir das zweimal so. Aber in beiden Fällen gab es noch genügend andere freie Plätze.

Am Bahnhof in Joensuu findet man eine alte Dampflok.

Am Bahnhof in Joensuu findet man eine alte Dampflok.

Die Ansagen im Zug sind in der Regel auch dreisprachig. Bei der Finnischen verstehe ich natürlich überhaupt nichts. Bei der Schwedischen kann man schon mitraten und spätestens bei der englischen Ansage habe ich es dann auch kapiert.

Mehr Zug gab's nicht. Meine Bummelbahn, die mich am Nachmittag nach Pieksämäki brachte.

Mehr Zug gab’s nicht. Meine Bummelbahn, die mich am Nachmittag nach Pieksämäki brachte.

Schnelles und gut funktionierendes WLAN hatte ich bisher in allen Bahnen. Sogar in der kleinen Binmelbahn. Die Fahrt im InterCity war sehr angenehm und sehr ruhig. Mit 5-6 Zwischenstopps ging es die 482 Kilometer in den Nordosten. Man kann also wieder hervorragend bloggen.

Am Zwischenstopp Joensuu hatte ich online recherchiert, dass es dort leider keine Schließfächer geben würde. Aber zum Glück war die Information veraltet. Wie die Finnische Bahn mir via Twitter mitgeteilt hat, gibt es dort seit kurzem auch ein paar. Mit 2 Euro für 24 Stunden waren sie dann auch ein echtes Schnäppchen.

Eins der hübschesten Gebäude in Joensuu. Die meisten waren aber aus Holz.

Eins der hübschesten Gebäude in Joensuu. Die meisten waren aber aus Holz.

So konnte ich den großen Rucksack am Bahnhof lassen und das Städtchen ein bisschen erkunden. Tolle Lage direkt am Fluss Pielisjoki, der dann in den Pyhäselkä-See fließt. Am Fluss gibt es einen wundervollen Fußweg Richtung Seeufer. Dort bin ich lang gelaufen und hab in der Mittagssonne auch ein kleines Nickerchen gehalten.

Der Blick auf den Pyhäselkä-See.

Der Blick auf den Pyhäselkä-See.

Viel los war hier im Osten Finnlands nicht. Den See hatte ich für mich alleine.

Viel los war hier im Osten Finnlands nicht. Den See hatte ich für mich alleine.

Auf Wegen wie diesen kam man vom Bahnhof zum Seeufer.

Auf Wegen wie diesen kam man vom Bahnhof zum Seeufer.

Vor der Weiterfahrt um 15:50 Uhr hab ich mich dann nochmal in einem hübschen weltoffenen und sehr viel Wert auf Toleranz legenden Café am Bahnhof gestärkt.

Das hübsche und gar nicht mal teure Café am Bahnhof in Joensuu.

Das hübsche und gar nicht mal teure Café am Bahnhof in Joensuu.

Die Weiterfahrt nach Pieksämäki erfolgte dann in einem winzigen Dieseltriebwagen. Die Verbindung wird nur zweimal am Tag angeboten, daher meine lange Übergangszeit. Am Freitagnachmittag war der Zug rappelvoll. Die meisten Fahrgäste sind die vollen 2:15 Stunden von Anfang bis Ende mitgefahren. Zwischenstopps gab’s auch nur vier Stück! Ansonsten gab es nur Wald, noch mehr Wald und ganz viele Seen. Letztere abwechselnd links und rechts der Strecke.

Und hier noch ein Bild von meiner Schaukelbank, auf der ich ein Nickerchen gemacht habe.

Und hier noch ein Bild von meiner Schaukelbank, auf der ich ein Nickerchen gemacht habe.

Kurz vor Varkaus müsst ihr dann die Kamera griffbereit halten. Über ein sehr langes Viadukt geht es in den Bahnhof hinein. Ansonsten ist die Strecke wenig spektakulär, aber herrlich zum aus dem Fenster gucken und nichts tun.

Mein Hotel in Kuopio in der Abendsonne.

Mein Hotel in Kuopio in der Abendsonne.

Da wir in einem der Bahnhöfe auf einen entgegenkommenden Güterzug warten mussten, verspätete sich die Ankunft in Pieksämäki um etwa 9 Minuten. Da ich aber mit 32 Minuten Umstiegszeit ein dicken Puffer hatte, war mir die kleine Verspätung ganz egal. Im dritten und letzten Zug ging es dann nochmal etwa 50 Minuten nach Kuopio. Da traf ich dann wieder 2 Minuten früher ein. Mein Bahnkarma war also wieder da. In Kuopio, das ich für ein verschlafenes Kleinstädtchen hielt, stelle sich dann heraus, dass es doch immerhin 117.000 Einwohner hatte. Verschlafen war es aber trotzdem. Dafür hatte es gannnz viel tolle Natur zu bieten. Mehr dazu dann im nächsten Artikel.

Nützliche Links:

Statistik der Tour Baltica Helsinki – Joensuu – Kuopio Gesamte Tour:
Kilometer: 749 Kilometer 4078 Kilometer
Im Zug verbrachte Zeit: 8 Stunde 33 Minuten 56 Stunden 30 Minuten
Gesammelte Verspätung: 4 Minuten -29 Minuten
Anzahl der Züge: 3 19
Anzahl der Busse: 0 4
Anzahl der Speisewagenbesuche: 0 2,5
Fahrpreis: 32,40 € * 205,23 €

* Interrail-Ticket (Anteilig)


Dieser Artikel wurde am 21. August 2018 um 00:18 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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