Auf Reise Heimat 11. Januar 2014

Wie ich unvermittelt nach dem Haare schneiden im Hessischen Landtag landete…

Geplant hatte ich heute Nachmittag eigentlich nur den Besuch beim Friseur und auf dem Rückweg wollte ich noch ein paar Kleinigkeiten bei REWE besorgen. Doch dann kam die Sonne raus und ich wählte einen kleinen Umweg über den Wiesbadener Marktplatz, auf dem gerade der Abbau des Wochenmarktes in vollem Gange war.

Der Wiesbadener Marktplatz. Im Hintergrund das Rathaus und die Marktkirche.

Der Wiesbadener Marktplatz. Im Hintergrund das Rathaus und die Marktkirche.

So kam ich dann auch am Hessischen Landtag vorbei und registrierte dort im Augenwinkel einen kleinen Anschlag an der Tür: „Öffentliche Führung: 15 Uhr. Keine Anmeldung erforderlich. Kostenlos.“ – genau die Buzzwörter, die mich zum Stehenbleiben bewegten. Ich blickte kurz auf die Uhr – 14:46 Uhr – googelte dann auf dem Handy, was man mich im Innern wohl erwartet und wie lange die Führung in etwa dauern wird. Besonders der Aspekt, dass der Hessische Landtag ein Anbau des Nassauischen Stadtschlosses ist, reizte mich. Und so beschloss ich kurzerhand, dass ich die 90-minütige Führung teilnehme.

Das Nassauische Stadtschloss und heutige Landtag. (Foto: Martin Kraft / Wikipedia)

Das Nassauische Stadtschloss und heutige Landtag. (Foto: Martin Kraft / Wikipedia)

Fotocredit: CC BY-SA 3.0 DE Martin Kraft

Punkt 15 Uhr ging die Tür auf und man ließ uns in die Vorräume des Schlosses. Etwas verwundert war ich, dass überhaupt keine Sicherheitskontrolle stattfand, aber gut, war mir ja nur recht. Nun wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Für meine Gruppe ging es zuerst in den Plenarsaal. Mit 108 Sitzplätzen natürlich deutlich kleiner als der Bundestag, in dem ich vor Kurzem erst war, aber ansonsten recht ähnlich aufgebaut.

Der Plenarsaal im Landtag (Foto: Martin Kraft / Wikipedia)

Der Plenarsaal im Landtag (Foto: Martin Kraft / Wikipedia)

Fotocredit: CC BY-SA 3.0 DE Martin Kraft

Wie in Berlin wird auch in Wiesbaden unter einem Glasdach viel mit Tageslicht gearbeitet. Aber auch sonst setzte man beim Neubau 2008 sehr viel auf Transparenz und damit Glas. Ganz im Gegensatz zu seinem Vorgängerbau aus den 50er Jahren. Diesen beschrieb uns unser Führer als fensterlosen Betonklotz, der wie ein Hochbunker wirkte.

Vom Neubau aus dem 21. Jahrhundert führt eine Tür in den Musiksaal des Stadtschlosses und schon befindet man sich wieder im 19. Jahrhundert. Ein Übergang, der bei mir echt für einen Wow-Effekt sorgte!

Das Treppenhaus (Foto: Ralf Roletschek)

Das Treppenhaus (Foto: Ralf Roletschek)

Der Kronleuchter im Vorraum.

Der Kronleuchter im Vorraum.

Fotocredit: CC BY 3.0 DE Ralf Roletschek

Im großzügig angelegten Treppenhaus bekamen wir erklärt, dass das Stadtschloss ein Winterschloss war. Während des Sommers residierten die Nassauer Herzöge im Biebricher Schloss unten am Rhein. Das Wintermotiv zieht sich durch alle Räume. Überall sind Elemente in Decken und Fußboden eingearbeitet, die an Schneeflocken erinnern sollen. Lustig fand ich, dass unser Führer die Erfahrung gemacht hat, dass Kinder diese viel schneller als Schneekristalle erkennen als ältere Herrschaften.

Der gelbe oder vielmehr goldene Saal im Schloss. (Foto: Ralf Roletschek)

Der gelbe oder vielmehr goldene Saal im Schloss. (Foto: Ralf Roletschek)

Fotocredit: CC BY 3.0 DE Ralf Roletschek

Bleibt eigentlich nur noch unserem Führer – der im eigentlichen Beruf Lehrer ist – ein großes Lob auszusprechen. Man hat richtig gemerkt, dass er für das Thema regelrecht brennt. Stets hat er uns hier noch eine Anekdote und dort noch eine erzählt. Daher bekommt die Führung durch den Landtag und das Nassauische Stadtschloss von mir auch das Prädikat absolut empfehlenswert. Nur Besuchertoiletten hat die Hessische Landesregierung vergessen einzubauen. Man geht also besser vorher oder danach… 😉

Vielen Dank auch an die Fotografen Ralf Roletschek und Martin Kraft. Da der Besuch spontan erfolgte, hatte ich natürlich keine richtige Kamera mit, sodass ich sehr froh bin, dass ich auf ihre Aufnahmen unter CC-Lizenz zurückgreifen kann.

Eins noch: ich schreib immer total ungern „Führer“. Aber fällt Euch ein besseres Wort ein, für die Person, die die Führung durchführt?


Dieser Artikel wurde am 11. Januar 2014 um 22:07 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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2 Kommentare

  • Reply Friseure München 22. Januar 2014 at 15:07:25

    Wow, der gelb/goldene Saal ist wunderschön! Ich hoffe ich bekomme auch mal die Gelegenheit zu so einer Führung, wenn ich das nächste mal da bin. Zum Thema „Führer“, hmm Tourguide? Ein deutscher Begriff fällt mir leider nicht ein, aber ich weiß was du meinst.
    Grüße,
    Isabelle

  • Reply Stadtschloss 12. Januar 2016 at 22:55:26

    Hallo, bezüglich der ausgebliebenen Sicherheitskontrolle ein kleiner Insider-Tipp: Weil an Samstagen niemand im Haus ist, wird nicht speziell kontrolliert (zumal die Büros sowieso nicht in Schloss oder Plenargebäude liegen). Sonst erfolgt der Zugang auch über den Besuchereingang in der Grabenstraße. Dennoch hat der Haussicherungsdienst natürlich durchaus ein Auge auf die Gruppen, sodass auf Missachtungen der Hausordnung (Entfernen von der Gruppe, etc.) schnell reagiert werden kann. Sollten Sie den HLT in einer Plenarwoche besuchen, um dort einer Plenarsitzung beizuwohnen (i.d. Rahmen gibt es auch sehr viele Führungen), werden Sie auf ein anderes Sicherheitskonzept stoßen. MfG 🙂

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