Heimat 26. Oktober 2012

Kindheitserinnerungen an den Weltspartag und die beiden Bankfilialen in Fronrot

Am Weltspartag wurde früher das Sparschwein geschlachtet!

Mein altes Sparschwein wurde schon vor langer Zeit irgendwo in den Keller verbannt, vielleicht sogar schon entsorgt, ich kann es nämlich heute nirgendwo finden. Früher einmal, da war das anders, da stand mein Sparschwein im obersten Regalfach im Wohnzimmerbuffet. Genauer gesagt standen dort neben den Sparschweinen meiner Schwestern sogar zwei Sparschweine von mir. Auf dem Roten leuchtete auf weißem Hintergrund das Sparkassen-Logo, auf dem Orangefarbenen das Logo der Raiffeisenbank.

Weltspartag - Schlachttag für das Sparschwein! (Fotocredit: flickr.com - Images_of_Money)

Schlachttag für das Sparschwein! (Fotocredit: flickr.com – Images_of_Money)

Ob es den Weltspartag heute noch in der Form, wie ich ihn in Erinnerung habe? Ich bezweifle es! In meinem Wohnort Fronrot (170 Einwohner!) weit draußen auf dem Land gab es mal zwei Bankfilialen, wobei der von mir gewählte Begriff „Filiale“ vielleicht schon etwas überdimensioniert ist, die Raiffeisenbank Oberes Bühlertal spricht in ihrer E-Mail auf meine Anfrage von Zweigstelle, die Sparkasse Schwäbisch Hall gar von einer Nebenzweigstelle.

Ich hatte mich nämlich bei beiden Banken erkundigt, von wann bis wann die Zweigstellen existierten und beide haben hierfür in ihren Archiven nachgeschaut und mir umgehend geantwortet. Vielen Dank hierfür! Heutzutage wirbt die Sparkasse auf Facebook für eine komplette Weltsparwoche. So ändern sich eben die Zeiten!

Die Zweigstelle der Raiffeisenbank (1970 bis 2001)

Unsere Raiffeisenbank bestand aus Frau Hofer und existierte seit dem Jahr 1970 bis zum 31. Dezember 2001, den Euro als neue Währung hat unsere Zweigstelle also nicht mehr miterlebt. Ob die sie richtige Öffnungszeiten hatte weiß nicht, man hat halt kurz vorher bei ihr angerufen, ob’s Geld hola grad nei’passt. Man wollt ja nicht beim Kochen, Putzen oder Essen stören. Der Schwabe an sich gehört, vielleicht mit Ausnahme der S21-Wutbürger in Stuttgart und der Exilschwaben in den Berliner Stadtteilen Friedrichshain und Prenzlberg, nämlich zur einem relativ friedliebenden und rücksichtsvollen Menschenschlag.

Bei unserer Frau Hofer gab es für die Bankgeschäfte extra Räumlichkeiten im Erdgeschoss, wenn man reinkam gleich links in ihrem privaten Wohnhaus. Ich erinnere mich an eine Schreibmaschine, einen für mich damals sehr großen Taschenrechner, ein grünes Wählscheibentelefon auf einem Schreibtisch mit vielen abschließbaren Fächern sowie einen massiven Eisenschrank als Tresor in der Ecke. Computer? In der damaligen Zeit? Für was denn?

So ähnlich sah mein Sparbuch auch aus. (Fotocredit: flickr.com - skelbar)

So ähnlich sah mein Sparbuch auch aus. (Fotocredit: flickr.com – skelbar)

Am Weltspartag also am 30. bzw. 31. Oktober wurde dann immer eine breite Schiebetür in ein zweites Zimmer geöffnet. In diesem lagen dann auf einem im Winter ohnehin nicht gebrauchten Gartentisch die Dinge ausgebreitet, von den wir uns was aussuchen durften. Das Geschenke aussuchen war nämlich immer das Wichtigste für uns Kinder, das war ein bisschen wie Weihnachten, naja vielleicht eher wie Ostern, an Weihnachten gab es einfach mehr! Wie viel man genau einpacken durfte, war nirgends geregelt. Als Kind wandte sich seine Mama und fragte, ob man sich noch nehmen darf; die Mama blickte zur Frau Hofer und die konnte eigentlich nie nein sagen. So lief das ab damals…

Aber wehe man kam nicht gleich am ersten Tag um sein Sparbüchsle zu leeren, dann waren die besten Sachen natürlich gleich vergriffen. Am nächsten Schultag hat man sich dann mit den Kindern, die ihr Geld in Bühlertann zur Bank brachten, ausgetauscht, was es dort tolles gab. Meistens gab es in Fronrot aber die besseren Geschenke und vor allem durften wir uns immer mehr als die Bühlertanner aussuchen! 😉

Die Nebenzweigstelle der Sparkasse (1976 bis 1995)

Im ersten Absatz hab ich ja bereits erwähnt, dass ich zwei Sparschweine hatte. Man wollte sich ja schließlich die Geschenke bei der Sparkasse nicht entgehen lassen. Also wurde das Jahr eben doppelt so viel gespart und das Geld abwechselnd in das rote und das blaue Schwein gesteckt.

Die Fronroter Sparkassenfiliale war genau wie die Raiffeisenbank ein Einfraubetrieb, das Geld verwaltet hat die Thekla. Komischerweise hat man sich in der Sparkasse im Gegensatz zur Raiffeisenbank wohl eher geduzt. Die Sparkasse fiel noch etwas kleiner als die Raiffeisenbank aus. Separate Räumlichkeiten gab es keine. Wenn Kundschaft kam, dann wurde der Esstisch in Theklas Wohnzimmer zur Bank umfunktioniert. Das Bargeld und der Stempel lagerte im kleinen Rollgitter-Schränkchen neben der Tür gleich wenn man reinkam. Mehr brauchte es auch hier nicht, in der Form muss die Nebenzweigstelle wohl vom 1. Juli 1976 bis zum 31.12.1995 bestanden haben. Leider hab ich davon genauso wenig wie von Frau Hofers Bankräumen Fotos. Ohnehin sah man es den beiden Häusern von außen nicht an. Die Raiffeisenbank hatte eine kleine unauffällige Metalltafel am Gartenzaun, auf die Sparkasse wies überhaupt kein Schild hin. Geld haben hier ohnehin nur die Einheimischen bekommen.

Wenn der Geldbestand in Fronrot übrigens alle war, dann musste man warten, bis Thekla am darauffolgenden Tag mit dem Linienbus nach Bühlertann gefahren war, um dort auf der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse frische D-Mark zu holen. Oder eben gleich selbst in Bühlertann Geld holen. Doch zurück zum Weltspartag: die Geschenkeauswahl fiel bei der Sparkasse immer etwas kleiner aus, Thekla hatte in ihrem Wohnzimmer schlichtweg nicht so viel Platz. Daher hab ich auch immer ein bisschen mehr Geld in die orangefarbene Spardose getan. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich das Konto bei der Sparkasse irgendwann einmal aufgab und seither nur noch das Konto bei der Raiffeisenbank habe. Ihr seht liebe Bankkaufleute, kleine Kinder mit Geschenken bestechen hilft!

Mit dem Geld aufs Sparbuch einzahlen habe ich wohl aufgehört, als ich das Jugend-Girokonto bekommen habe, das war mit 14 Jahren. Ein, zwei Jahre später wurde zur Euroumstellung Ende 2011 dann auch die Fronroter Filiale geschlossen. Ich hoffe ich war nicht daran Schuld…

Und der Weltspartag heute?

Wie sieht es heute in der Weltsparwoche in den Banken aus? Gibt es den Gabentisch überhaupt noch? Ich weiß es nicht, man kommt ja durch die SB-Bereiche und das Onlinebanking überhaupt nicht mehr rein die Filialen. Meistens, wenn mir einfällt, dass ich Bargeld brauche, dann hat die Bank ohnehin geschlossen. So gesehen sind die Geldautomaten schon ganz okay. 😉

Kleiner Aufruf!

Habt ihr Euer Sparschwein eigentlich noch? Würde mich über Kommentare mit Link auf ein Foto (Twitpic, Instagram, etc.) eures Sparschweins freuen!

1. Einsendung: @KilianMartin, er brachte erst mich auf die Idee.

Die Spardose von @KilianMartin hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel!

Die Spardose von @KilianMartin hat auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel!

Fotocredit (erstes Foto): CC BY-SA 2.0 by Images_of_Money, flickr.com

Fotocredit (zweites Foto): CC BY-NC-SA 2.0 by skelbar, flickr.com

Fotocredit (drittes Bild): CC BY-NC-SA 2.0 by KilianMartin, instagr.am


Dieser Artikel wurde am 26. Oktober 2012 um 18:00 Uhr von mahrko veröffentlicht.
Seither wurde der Artikel 4.102x aufgerufen und bisher 8x kommentiert.

8 Kommentare

  • Reply Heiko (@olschok) 26. Oktober 2012 at 19:19:29

    Erinnert mich sehr an meinen Heimatort – dort lief es genauso ab – man erkundigte sich erst, ob es der Dame in der „Kasse“ passte. <3
    Meine Dose dürfte noch bei meinen Eltern stehen – ob da noch etwas drin ist!?

  • Reply Kilian 27. Oktober 2012 at 01:03:26

    Ich hab zwar keine Ahnung, welche Rechte instagram an Bildern hat, die damit bearbeitet wurden, aber ich würde dich doch bitten, meine Einsendung unter eine CC-BY-NC-SA-Lizenz zu stellen. Mama wird auch einverstanden sein. 🙂 (Sie hat damals immerhin das Namensschild geschrieben!)

  • Reply mahrko 27. Oktober 2012 at 01:22:44

    Gerne. Wurde bereits abgeändert 😉

  • Reply Beate schmitz 27. Oktober 2012 at 06:41:15

    Schöner Artikel Marco. Ich erinnere mich auch noch, dass wir verschiedene Spardosen hatten. Und die Geschenke das wichtigste waren.
    Mir als Banker gefällt natürlich der Satz mit dem „… kleine Kinder bestechen hilft…“ Auch wenn’s bei mir nicht geholfen hat 😉

  • Reply Lisa 28. Oktober 2012 at 14:10:43

    Der Weltspartag ist soweit ich finde eine Tradition geworden, oder? Letztens hatü mir meine Mutter von früher über den Weltspartag berichtet.

  • Reply Matthias 29. Oktober 2012 at 09:18:54

    Hallo ihr Lieben,

    ich habe über österreichische Sparkassenwerbung meine Diplomarbeit geschrieben. Zahlreiche Weltspartagsbilder findet Ihr auf meiner Seite.
    Den Ablauf eines Weltspartages (1960) seht Ihr auf:
    http://www.heinz-traimer.com/weltspartag-%C3%B6sterreich/webema%C3%9Fnahmen-weltspartag-1960/
    Liebe Grüße aus Wien!

  • Reply mahrko 29. Oktober 2012 at 09:38:34

    Hallo Matthias,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Sehr interessant zu lesen. Scheint ja ein richtig staatstragendes Ereignis gewesen zu sein damals 😉

    LG nach Wien
    Marco

  • Reply Felix 29. Oktober 2012 at 10:54:19

    Sehr schöner Beitrag! Ich habe letztes Jahr mal ein Gewinnspiel durchgeführt, bei dem die Teilnehmer ihre schönsten Erinnerungen an den Weltspartag erzählt haben. Da kamen auch tolle Sachen zusammen.

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