Auf Reise 11. April 2017

Fahrt im Nachtzug der Vietnam Railway von Nha Trang nach Da Nang

Ich wollte in Vietnam ja unbedingt auch mal Nachtzug fahren und damit sich dies auch lohnt, musste eine größere Etappe her. Meine bisherigen Etappen waren ja immer so zwischen 150 und 250 Kilometer lang. Von Nha Trang nach Da Nang hat das ganz gut gepasst, denn nun stand mit circa 550 Kilometern eine etwas längere an.

550 Bahn-Kilometer. Das fährt man in Frankreich in 90 Minuten. In Deutschland in gut 4 Stunden und in Vietnam? Da sind es auf der einzigen Eisenbahnstrecke des Landes zwischen 8,5 und 11 Stunden. Je nachdem, ob man einen Expresszug erwischt oder nicht.

Mein 4er-Abteil im Nachtzug. Ich hatte das obere Bett gebucht.

Mein 4er-Abteil im Nachtzug. Ich hatte das obere Bett gebucht.

Der SE22 am Abend ist kein richtiger Expresszug, hat mir aber von der Abfahrts- und Ankunftszeit her am besten gepasst. Fahrplanmäßig sollte es um 18:54 Uhr losgehen, Ankunft war für 6:15 Uhr angegeben. So gegen 19:20 Uhr setzte sich der ursprünglich pünktlich eingefahrene Zug endlich in Bewegung. Und mit eben jener halben Stunde Verspätung kamen wir auch in Da Nang an. Halbe Stunde länger schlafen – auch gut, dachte ich anfangs noch….

Der Chief of Aufpassen, dass der Zug nicht wegrollt.

Der Chief of Aufpassen, dass der Zug nicht wegrollt.

Doch zuerst ein paar Worte zum Bahnfahren in Vietnam selbst: der Zug war schon gut in die Jahre gekommen, mein Waggon hatte sicher schon um die 40-50 Jahre auf dem Buckel. Ohne Redesign versteht sich. In den vorderen Waggons führte er die Holzklasse. Und die ist bei der Eisenbahn hier durchaus wörtlich zu nehmen, man sitzt nur auf Holzbänken. Etwas teurer kann man auch Tickets in einem Wagen mit weichen Sitzen buchen, vergleichbar mit der 2. Klasse in Deutschland. Am Ende des Zuges hingen zahlreiche Schlafwagen, drei Stück mit 4er- (Soft Bed) oder und ein paar mit 6er-Abteilen (Hard Bed). Ingesamt war der Zug mit den beiden Gepäckwagen gleich hinter Lok locker 15 bis 16 Waggons lang.

Ich hatte ein „Soft Bed“ in Wagen 10 gebucht, online über die Reiseagentur baolau.com, was auch prima geklappt hat. Eine hervorragende Anleitung zum Bahn fahren habe ich im Zugreiseblog.de gefunden, diese hiermit ausdrücklich empfohlen! Aber vielleicht hätte man ich mir das Ticket buchen auch sparen können, so richtig kontrollieren wollte das Ticket und den Barcode auf dem Onlineticket nämlich keiner während der elfstündigen Fahrt. Ich hatte es nur beim Einstieg einem Schaffner unter die Nase gehalten, damit er mir nochmal bestätigt, dass ich auch in den richtigen Zug einsteige. Es stand ja sowieso an jeder Tür ein eigener Schaffner. Staatsbahn und so. Effizient ist was anderes… 🤗

Wenn man sich hier nun drei Betten übereinander vorstellt, wird es ganz schön eng.

Wenn man sich hier nun drei Betten übereinander vorstellt, wird es ganz schön eng.

Gegen 19 Uhr fahren auf dem Bahnhof in Nha Trang nämlich zwei Züge fast zeitgleich ab. Einer nach Norden Richtung Hanoi und der Gegenzug nach Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden. Der Bahnhof – auch so eine Sache. Er hat drei Gleise mit zwei Bahnsteigen. Gleis 1 liegt am Hausbahnsteig, auf dem saß ich als die Fotos entstanden. Der fotografierte Zug steht auf Gleis 2, von diesem fuhr mein Zug später auch. Gleis 2 und 3 liegen an einem Mittelbahnsteig, den man verdeckt durch die Waggons, nicht sieht.

Nur hat man irgendwie vergessen eine Unterführung zu bauen und die Gleise vor oder hinter dem Zug zu überqueren ist auch blöd bei Zügen mit einer Länge von 16 Waggons. Also improvisiert man und steigt in Züge, die von Gleis 2 fahren, einfach auf der dem Bahnsteig von Gleis 1 zugewandten Seite ein. Dass es hier keinen Bahnsteig gibt und man locker eine 60-70cm hohe Stufe überwinden muss, nicht so schlimm. Es gibt ja wackelige Plastikstühle, die man notdürftig als Einstiegshilfe an der Zug stellen kann.

Der Gegenzug, der den richtigen Bahnsteig von Gleis 1 benutzt, der darf erst in den Bahnhof einfahren, wenn in den Zug nach Norden alle eingestiegen sind und keiner mehr auf den Gleisen steht. Lustiges System – aber hey! Solang es funktioniert… 👌🏻

Und wie war es mit dem Schlaf? Anfangs hatte ich ein Abteil für mich ganz allein, also „verriegelte“ ich es von innen und hab mich gegen halb 10 nach zwei Bier á 60 Cent früh schlafen gelegt.

An dieser Hightech-Tür gab es einen Verriegelungsschieber.

An dieser Hightech-Tür gab es einen Verriegelungsschieber.

Gegen Mitternacht wurd ich wieder wach. Es stand auf einmal ein Typ in meinem Abteil. Kein Dieb zum Glück, nur ein Mitreisender, aber wie er in mein verriegeltes Abteil reinkam, keine Ahnung. Jedenfalls konnte ich ab da nicht mehr wirklich schlafen.

Außerdem hat er geschnarcht und eklig den Rotz hochgezogen. Als ich gesehen habe, wie er seine Armbanduhr abgemacht hat und seinen Rucksack im Schlaf umklammert hat, tat ich es ihm gleich und meinen kleinen Rucksack auch auf die Liege geholt und umschlungen als sei ich eine Würgeschlange.

Die Gänge entlang der Abteil waren extrem eng. Mit XXL-Rucksack auf dem Rücken darf man hier nicht an Platzangst leiden.

Die Gänge entlang der Abteil waren extrem eng. Mit XXL-Rucksack auf dem Rücken darf man hier nicht an Platzangst leiden.

Zwei oder drei Stunden habe ich so noch geschlafen, aber nicht wirklich tief. Aber es hat gereicht um den kommenden Tag in Hoi An ohne Probleme bis abends zu überstehen.

Hoi An? Hatte ich nicht eben noch geschrieben, der Zug fahre nach Da Nang? – Ja, das ist richtig, Hoi An besitzt nämlich keinen eigenen Bahnhof. Als gegen 7:00 Uhr in der Früh ankam musste ich also erst einmal gucken, wie ich die letzten 20 Kilometer vollends an Ziel kam.

Bus? Soll wohl alle 60 Minuten einer fahren. Nur wo fährt er ab? Und dann lande ich mitten in Hoi An und muss doch eigentlich Richtung Meer. Also Taxi. Kostete auf der Strecke rund 20 Dollar.

Ganz schön teuer, dachte ich mir und sprach kurz vor dem Aussteigen im Zug einfach vier Backpacker aus England an, ob sie auch nach Hoi An wollen. Um es kurz zu machen, ja wollten sie. Wir haben zusammen ein großes Taxi genommen und ich hab nur 4 Euro bezahlt. 😉

Wie ihr seht, ist Zug fahren also alles in allem ein wenig aufwändiger, weil man viel mehr selbst organisieren muss als beim OpenTour-Bus fahren inklusive mit Pickup-Service am Hotel. Das würd mich ja nicht stören, alles machbar, nur wenn ich ehrlich bin, hatte ich mir Soft Bed für rund 40 Euro auch ein bisschen luxuriöser vorgestellt als eine weiche Pritsche mit Leintuch und Kissen in einem 50 Jahre alten Waggon. Vielleicht fahre ich ja noch 1-2 kürzere Etappen mit dem Zug, aber dann eher am Tag, sonst bleibe ich wohl eher beim Bus.

Wie es mit dem Checkin im Hotel morgens um 7:30 Uhr ausging, das erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag – dieser muss jedoch noch geschrieben werden.


Dieser Artikel wurde am 11. April 2017 um 18:22 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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Ein Kommentar

  • Reply Hubert 11. April 2017 at 21:30:07

    Tztz, Du weisst doch – das Ticket kaufst Du nicht für die Kontrolle, sondern für die Beförderung. Hat uns doch schon Christian vor Jahren verraten… -> http://hubert-mayer.de/mein-dialog-mit-dem-twitter-team-der-deutschen-bahn/

    Aber spannend, wie das in Vietnam ist, da musst Dich mal mehr mit Gerhard von andersreisen austauschen!

    Viel Spass noch und einen schönen Urlaub

    Hubert

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