Eisenbahnreise 24. August 2018

Tag 20 der Tour Baltica: Mit dem Lofoten-Express bis ans Ende der Welt!

Zwei Dinge an der Überschrift sind vielleicht etwas missverständlich. Erstens handelt es sich beim Lofoten-Express um keinen Zug, sondern nur einen Bus. Und zweites ist die Verbindung alles andere als eine Expressverbindung. Warum es trotzdem wert ist, mit der Linie 300 von Narvik Richtung Å auf den Lofoten rauszufahren, will ich euch in diesem Blogpost zeigen. Und ja, der Ortsnamen besteht wirklich nur aus einem Buchstaben.

Hügel rauf. Hügel runter. So wunderbar sahen große Teile der Strecke aus.

Hügel rauf. Hügel runter. So wunderbar sahen große Teile der Strecke aus.

Häufig fuhren wir auch direkt am Wasser vorbei.

Häufig fuhren wir auch direkt am Wasser vorbei.

Zunächst einmal sei aber dringend empfohlen, vor der Reiseplanung den Fahrplan zu studieren. Die vollen 390 Kilometer zwischen Å und Narvik fährt der Lofoten-Express nämlich nur zweimal am Tag. Für die Verbindung, die stets der Europastraße 10 folgt, benötigt der Expressbus auch nur schlappe 7,5 bis knappe 8 Stunden. Also besser auch etwas Reiseproviant kaufen.

 

Eine der vielen Brücken auf der Europastraße.

Eine der vielen Brücken auf der Europastraße.

Aber übertreibt es nicht mit dem Trinken. Mein Bus hatte nämlich keine Toilette. Der Busfahrer kündigte gleich nach dem Start in Narvik an, dass es nur um 11:00 und um 13:40 Uhr bei längeren Zwischenaufenthalten Toiletten an den Busstationen geben werde. Wer ganz dringend müsse, der soll vorkommen. Dann hält er irgendwo auf freier Flur. Diese Durchsage kommentierte er abschließend mit einem süffisanten „That’s the way how it is!

Große Teile der Strecke führten an schroff aus dem Meer ragenden Bergen vorbei.

Große Teile der Strecke führten an schroff aus dem Meer ragenden Bergen vorbei.

Exakt 252 Bushaltestellen gibt es entlang der kompletten Strecke. Aber ich bin nicht die komplette Strecke mitgefahren. Mein Ziel war nicht Å, sondern Reine. Das sind ab Narvik nur rund 380 Kilometer Strecke. Laut Onlinefahrplan 238 Bushaltestellen und auch gerade einmal 7 Stunden und 15 Minuten Fahrzeit. Aufgrund der Länge der Strecke könnte man von einem Fernbus sprechen. Da er aber potenziell eher an jeder Milchkanne hält, würde ich die Verbindung eher als XXL-Linienbus bezeichnen.

Unser Bus beim Zwischenhalt am Flughafen Harstad/Narvik in Evenes.

Unser Bus beim Zwischenhalt am Flughafen Harstad/Narvik in Evenes.

Dass die Fahrt so spektakulär ist, liegt natürlich an der Landschaft der Lofoten. Wer sie nicht kennt: das ist eine Inselgruppe in Nordnorwegen. Auf ihr gibt es eine durchgängige Straßenverbindung über Brücken und Tunnel unter dem Meer hindurch bis ans westliche Ende. Das gesamte Gebiet zusammen hat etwa 24.000 Einwohner. Die größte „Stadt“ auf den Inseln ist Svolvær mit 4000 Einwohnern. Im Örtchen Å leben gerade einmal 100 Menschen.

Sieben Bussteige für eine Hand voll Busse am Tag. Der Busbahnhof in Narvik.

Sieben Bussteige für eine Hand voll Busse am Tag. Der Busbahnhof in Narvik.

Los ging meine Fahrt morgens um 9:40 Uhr am Busbahnhof in Narvik. Für das bestehende Verkehrsaufkommen ist die Station ein bisschen groß geraten, aber so war der richtige Bus wenigstens schnell zu finden. Etwas schwieriger gestaltete sich hingegen die Suche nach dem Busbahnhof selbst. Dazu muss man durch das Einkaufszentrum mit dem SPAR-Markt. In diesem einfach alle Rolltreppen nach unten fahren, dann kommt man schon irgendwann am Busbahnhof raus. Ausgeschildert ist er aber nicht.

Alle Fotos sind übrigens durch die Fenster des Busses gemacht.

Alle Fotos sind übrigens durch die Fenster des Busses gemacht.

Die Fahrt kostet 431 Kronen, umgerechnet sind das etwa 43 Euro. Der Wechselkurs in Norwegen ist praktischerweise leicht im Kopf umrechenbar. Einfach die letzte Ziffer wegstreichen. Fertig. Bezahlt wird direkt beim Busfahrer. Kreditkarten werden selbstverständlich angenommen, aber auch die Zahlung mit Bargeld ist möglich. Davon haben auf meiner kompletten Fahrt aber gerade einmal zwei Personen Gebrauch gemacht. Die restlichen 99% haben cashless bezahlt.

Wenn sich wieder mal ein Berg oder das Meer in den Weg stellte, wurde halt ein Tunnel gegraben.

Wenn sich wieder mal ein Berg oder das Meer in den Weg stellte, wurde halt ein Tunnel gegraben.

Der Bus war anfangs etwa zu einem Viertel besetzt. Ungefähr 20 Minuten vor der Abfahrtszeit stand er am Busbahnhof bereit. Wenn ihr früh dran seid, dann könnt ihr euch wie ich den begehrten Platz in der Reihe direkt hinter dem Busfahrer sichern. Dort hat man den besten Blick auf die Strecke. Außerdem ist die Fahrt sehr kurvenreich. Vielleicht wird es euch vorne weniger schlecht als ganz hinten.

Die Tunnel waren teils einfach in den Fels gehauen und nur ein bisschen mit Beton verkleidet.

Die Tunnel waren teils einfach in den Fels gehauen und nur ein bisschen mit Beton verkleidet.

In einer Hinsicht war unser Bus dann zumindest bis zum Fahrerwechsel nach etwa vier Stunden in Svolvær ein Expressbus. Der Fahrer war ziemlich rasant unterwegs. Mit 75 Kilometer pro Stunde ging es in die leichteren Kurven rein, mit 85 wieder raus. Der kannte die Strecke und seinen Scania-Bus wie aus dem FF. Ein bisschen erinnerte mich die Fahrt an eine Busfahrt über einen Pass in Vietnam.

Wohnwagen und Wohnmobile, die mit 70 km/h vor uns getrödelt haben, hat er kurzerhand überholt. Der zweite Fahrer hatte es dann nicht mehr ganz so eilig. Außerdem wurde weiter draußen die Straße auch immer schmaler.

Und wieder einmal war unserem Busfahrer ein Wohnmobil zu langsam...

Und wieder einmal war unserem Busfahrer ein Wohnmobil zu langsam…

Die Landschaft wechselte die ganze Fahrt immer wieder. Mal säumten die Straße sanfte grüne Hügel. Kurze Zeit später, fand man sich neben einer 200-300 Meter hohen schwarzen Felsenwand wieder. Was uns aber fast immer begleitete, war das Wasser. Mal mussten wir einen die Insel einschneidenden Fjord umfahren, mal ging es von einer Insel zur nächsten über 30-40 Meter hohe Brücken. Zweimal fuhren wir sogar in Tunnel unter dem Meer hindurch.

An vielen tollen Stränden fuhren wir vorbei. Gebadet hat bei 13 Grad aber keiner mehr.

An vielen tollen Stränden fuhren wir vorbei. Gebadet hat bei 13 Grad aber keiner mehr.

Wie schon erwähnt, ist die Straße raus bis nach Å als E10 ausgeschildert. Diese Europastraße ist insgesamt 880 Kilometer lang und endet auf der östlichen Seite in Luleå. Im Prinzip bin ich ihr also komplett gefolgt, nur dass ich die ersten 500 Kilometer bis Narvik mit der Bahn parallel zur E10 gefahren bin.

Einer der vielen Radfahrer. Wie eng und kurvenreich die Straße hier ist, seht ihr ja.

Einer der vielen Radfahrer. Wie eng und kurvenreich die Straße hier ist, seht ihr ja.

Für Fahrradfahrer ist auf den Lofoten ebenfalls eine Route ausgeschildert. Der Eurovelo 1 führt von Portugal in die Bretagne. Rüber nach Großbritannien und Irland immer der Westküste entlang bis nach Schottland. Dann folgt eine weitere Schiffspassage, bevor der Radweg von Bergen vollends bis ans Nordkap führt und dabei auch die Inselgruppe passiert.

Anfangs war die Straße noch recht gut ausgebaut. Später wurde sie immer schmaler.

Anfangs war die Straße noch recht gut ausgebaut. Später wurde sie immer schmaler.

Landschaftlich sicher wunderschön. Aber es gibt etliche Passagen, da verläuft der Radweg direkt auf der Europastraße und auf dieser fährt es sich überhaupt nicht entspannt. Ständig wird man auf engen Straßen viel zu knapp von Bussen, LKWs und Wohnmobilen überholt.

Separate Radspuren habe ich da keine gesehen. Außerdem muss man auch durch einige Tunnel. Darunter einen der beiden Unterseetunnel. Dieser hat ein ganz schönes Gefälle in sich, führt der Tunnel doch rund 25 Meter unter der Wasseroberfläche hindurch.

Fähren haben wir auf dieser Etappe keine passiert. Aber es bestanden Anschlüsse an den Fähranlegern. Also fuhren wir die Stichstraße zur Fähre ebenfalls an.

Fähren haben wir auf dieser Etappe keine passiert. Aber es bestanden Anschlüsse an den Fähranlegern. Also fuhren wir die Stichstraße zur Fähre ebenfalls an.

Besetzt war unser Bus recht bunt gemischt. Waren es anfangs noch vornehmlich Touristen mit Rucksack, stiegen weiter draußen immer mehr Anwohner zu. Ab Leknes wurde unser Fernlinienbus dann vorübergehend sogar kurz zum Schulbus. Das war etwas nervig, denn nun hielten wir noch ein wenig häufiger und fuhren auch einige Stichstraßen zu abgelegenen Höfen an, um die Schulkinder direkt an der Haustür abzusetzen.

Die Landschaft: wie im Bilderbuch!

Die Landschaft: wie im Bilderbuch!

Auch am sehr bekannten Strand in Ramburg fuhren wir entlang.

Auch am sehr bekannten Strand in Ramburg fuhren wir entlang.

Durch die Umwege verloren wir wohl auch paar Minuten Fahrzeit, sodass der Bus schließlich rund 10 Minuten zu spät in Reine ankam. Schlimm fand ich das nicht, die paar Minuten machten den Bock nach über sieben Stunden Fahrt auch nicht mehr fett!

Kurz vor dem Ziel fuhren wir nochmals direkt an einem tollen Strand entlang.

Kurz vor dem Ziel fuhren wir nochmals direkt an einem tollen Strand entlang.

Nach schnellem Self-Checkin mit Türcode, musste ich mir dann unbedingt noch ein bisschen die Beine vertreten. Die Umgebung hier ist ziemlich atemberaubend. Man vergisst draußen auch vollkommen die Zeit. Zumindest, wenn es nicht gerade in Strömen regnet. Untergekommen bin ich in Reine im „Lofoten Bed and Breakfast“ – ist nett hier. Kann ich nur empfehlen. Aber mehr dazu dann im nächsten Blogpost.

Das Ziel meiner Etappe. Das ehemalige Fischerdörfchen Reine.

Das Ziel meiner Etappe. Das ehemalige Fischerdörfchen Reine.

Nützliche Links:

Statistik der Tour Baltica Narvik  – Reine Gesamte Tour:
Kilometer: 379 Kilometer 6368 Kilometer
Im Zug und Bus verbrachte Zeit: 7 Stunden 20 Minuten* 93 Stunden 15 Minuten
Gesammelte Verspätung: 10 Minuten -21 Minuten
Anzahl der Züge: 0 21
Anzahl der Busse: 1 7
Anzahl der Schiffe: 0 0
Anzahl der Speisewagenbesuche: 0 3,5
Fahrpreis: 43,00 € 389,53 €

* Diese Etappe im Bus.


Dieser Artikel wurde am 24. August 2018 um 13:56 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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3 Kommentare

  • Reply Susanne aka Wortgestalten 25. August 2018 at 11:19:10

    Hallo,

    danke für diesen schönen Bericht. Bisher hat es mich eher Richtung Äquator gezogen. Aber die Lofoten stehen auch schon auf meiner Reiseliste. Sie auf diese Weise einmal zu durchqueren hört sich gar nicht schlecht an. 🙂 Wenn man ein paar Tage Zeit hat, kann man sich die Strecke in Etappen aufteilen und die Umgebung noch etwas erkunden.

    Viele Grüße
    Susanne aka Wortgestalten

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