Auf Reise Barcamp 24. November 2019

„Ich bin alleine. Wie geil ist DAS denn?“ – Über die Freude Dinge zu entdecken.

Auf dem Camino del Norte Richtung Santiago.

Der Titel meines Blogposts war heute auf dem Barcamp Rhein-Main die Überschrift einer Session von Anna und sprach mich besonders an. Wer mich ein wenig kennt, der weiß natürlich, dass ich auch viel alleine unternehme. Dafür will ich nun ein wenig werben. Aus diesem Anlass habe ich auch den Titel mal ganz frech übernommen…

Aber der Reihe nach: Barcamp-Session, was ist das überhaupt? Das ist meist eine 45-minütige Gesprächsrunde mit bunt zusammengewürfelten Personen in einem Raum, heute in der Hochschule Fresenius in Wiesbaden. Anfangs gibt’s einen Input von der oder dem Sessiongeber und nach ungefähr der halben Zeit geht es im Optimalfall über in eine Diskussionsrunde sowie einen Erfahrungsaustausch.

Zurück zur Session: einen Umzug in eine neue Stadt oder das langsame Abbrechen alter Freundschaften sind Situationen, die bestimmt einige kennen. Die Frage, die wir uns dann meist stellen: wie findet man (neuen) Anschluss? Und was ist, wenn das mit dem Anschlussfinden nicht so klappt wie im Bilderbuch? Oder was ist, wenn bestehende Freundschaften gerade keine Zeit oder keine Lust haben für gemeinsame Unternehmungen?

Sitzt man dann alleine Zuhause und ist traurig, weil alle anderen Menschen schöne Dinge erleben (Hallo Highend-Instagram-Stories und ihr ganzen glossy Lifes…) – mehr dazu unter dem Stichwort FOMO (Fear of missing out) – oder guckt man, dass man seinen Popo hochbekommt und auch mal alleine Dinge entdeckt? Anna plädierte sehr dafür sich nicht davon abhalten zu lassen, nur weil gerade niemand mitgehen will. Auch nicht als Frau.

Und wer sagt überhaupt, dass man nicht alleine ins Kino gehen darf? Oder mal alleine in ein Restaurant? Auf einen Spaziergang, Wanderung oder Radtour? Eigentlich niemand. Verboten ist es auch nicht und dass euch alle anderen seltsam angucken, das redet man sich meist auch nur ein. Okay. Vielleicht geht ihr nicht gerade am Valentinstag zum Candlelight-Dinner und bestellt einen Tisch für eine Person. Aber sonst kann man eigentlich nahezu alles auch alleine machen…

Sehr persönlich wurde in der Session von den gemachten Erfahrungen und den ersten Schritten beziehungsweise Metern auf dem Rad rund um Frankfurt erzählt. Eine Challenge, die sich die Sessiongeberin selbst auferlegt hat, war zum Beispiel auf wöchentlich zwei Meetups zu gehen. Egal welche. Könnt ihr nachmachen, müsst ihr aber nicht. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden. In der Runde schilderten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen hier auch ganz unterschiedliche Erfahrungen. Dem Einem macht es überhaupt nichts aus, dem Anderen hingegen kam ein Restaurantbesuch ohne Begleitung schon reichlich komisch vor.

Mein Weg in Spanien. Großteils war ich hier auch alleine unterwegs.

Mein Weg in Spanien. Großteils war ich hier auch alleine unterwegs.

Vielleicht geht ihr auch mal in ein Stadtviertel eurer Heimatstadt, das ihr sonst nie besucht und erkundet das ein wenig. Oder ihr schnappt euch einen Rucksack und guckt mal, was es für tolle Wanderwege in der näheren Umgebung gibt. Im Rhein-Main-Gebiet kann ich da den Taunus oder den Rheingau mit dem Rheinsteig sehr empfehlen. Für Radtouren gerne auch das Hessische Ried, das sehr flach ist oder Rheinhessen, wo es ein bisschen hügeliger zugeht. Ein paar Plattformen zur Tourenfindung dazu verlinke ich euch am Ende des Beitrags.

Was bringt das Rausgehen eigentlich überhaupt? Was macht es mit euch? Sarah hat dazu auch noch ein paar Punkte aus der Session mitgetwittert. Die Frage habe ich am Abend auch noch meinen Instagram-Follower gefragt. Die Antworten findet ihr ganz am Ende.

Außerdem kann man im Kopf aufräumen. Oder wenn man dazu gerade keine Lust hat, versuchen seine innere Ruhe zu finden. Komplett abschalten und sich voll und ganz auf seinen Köper und die Natur zu konzentrieren. Mir hilft es dabei, wenn ich etwas zu tun habe. Etwas eher monotones. Sowas wie wandern.

Kurzer Einschub noch: ein weiterer wichtiger Punkt bei einem Barcamp ist, dass man darüber spricht, twittert und bloggt. Letzteres habe ich die letzten Jahre oft schwer vernachlässigt. Das will ich aber diesmal wieder besser machen. Das Barcamp RheinMain 2019 war vielleicht mein 30. oder auch 35. Barcamp, das ich besucht habe seit Mai 2012. Es besteht also gewisses Suchtpotenzial. Über barcamp-liste.de findet jede*r ein Barcamp in seiner näheren Umgebung. Nutzt doch die Gelegenheit und besucht mal eins. Gerne auch alleine. Ihr werdet es hoffentlich nicht bereuen. 🙂

Wenn man sich dann mit kleineren Unternehmungen mal daran gewöhnt hat, alleine Dinge zu entdecken und das erste kleine Ungewohntsein, welches wahrscheinlich jeder erst einmal spürt, überwunden hat, dann kann man sich vortasten. Wichtig dabei: steht selbstbewußt zu euch und dem, was ihr tut.

Hier mal ein verlängertes Wochenende in einer netten Stadt, in der man noch nie war. Da mal eine Radtour mit Übernachtung oder was auch immer. Endlevel ist dann wahrscheinlich eine Weltreise oder das Auswandern nach Sibirien. Ganz soweit bin ich noch nicht. Aber vier Wochen alleine in Vietnam, die fünf Etappen auf dem Fahrrad am Rhein entlang, eine vierwöchige Eisenbahntour rund um die Ostsee und fünf Wochen Pilgerschaft auf dem Jakobsweg habe ich schon hinter mir. Über den Camino nach Santiago de Compostela muss ich noch bloggen, auf den anderen beiden großen Reisen war ich zum Glück fleißiger.

Ein Angebot, das ich gerne noch machen möchte: wenn ihr euch anfangs schwer tut ein Ziel oder „Micro Adventure“, wie Anna es nannte, auszumachen, dann könnt ihr mich gerne auf einem Weg eurer Wahl ansprechen. Karten lesen kann ich recht gut. Und schöne Ecken in Deutschland gibt es überall. In Österreich und der Schweiz natürlich auch.

Und noch ein Tipp von Anna: wenn sich etwas doof anfühlt, dann muss man vielleicht nur an einer kleinen Stellschraube drehen und schon ist es nicht mehr komisch. Man muss nicht gleich das ganze Vorhaben des Alleine-seins verteufeln. Vielleicht habt ihr ja noch weitere Tipps oder Erfahrungsberichte. Schreibt sie gerne in die Kommentare.

Disclaimer: ich war noch nie alleine im Kino. Werde dies aber gleich in der kommenden Woche nachholen. Meine kleine Challenge sozusagen…

Abschließend natürlich auch nochmal vielen Dank an die Sponsoren des Barcamps sowie natürlich an das Orga-Team und alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

Die Sponsoren des Barcamp Rhein-Main 2019.

Die Sponsoren des Barcamp Rhein-Main 2019.

Alleine reisen – selbst schon mal gemacht? Die Antworten meiner Twitter- und Instagram-Follower

  • Ich sehe das mit den Unternehmungen allein auch so. Aber man müsste eigentlich auch mal mehr allein machen. 🙄 (weiblich)
  • Schön häufiger gemacht. Und immer sehr schön. (männlich)
  • Es war natürlich fantastisch. (weiblich)
  • Es ist toll, weil man sich nach niemand richten muss. (weiblich)
  • Auf die Frage, wie alleine reisen war: 🥰 (weiblich)
  • Mehrmals und es ist sehr gut gewesen. Manchmal fehlt trotzdem jemand. (männlich)
  • Ich hab eigentlich sehr viel Spaß mit dieser Art Urlaub zu machen. (weiblich)
  • Auf die Frage, wie alleine reisen war: ❤️ (weiblich)
  • Ich mag das sehr gerne, weil man wirklich frei ist. Einziger Downside: ich will immer nochmal hin und jemanden zeigen, der mir viel bedeutet. (weiblich)
  • Alleine ins Kino gehen ist großartig. Wenn es ein Film mit anregenden Gedanken ist (weniger Action), kann man diesen anschließend wunderbar mit sich selbst durchdenken – ohne dass er gemeinschaftlich zerredet wird. 🙂 (weiblich)
  • Ich bin im Sommer allein von Offenbach nach Alkmaar (NL) geradelt. Es war eine Schnapsidee – und wurde zum großartigen Urlaub mit mir selbst. Inklusive dem seltenen Gefühl, frei zu sein. Ich werde es wieder tun. 😃 (weiblich)
  • ✌️🏼 (weiblich)
  • Mega wars. (männlich)
  • Regelmäßig. Und es ist immer wieder toll 🙂 (weiblich)

Weil ich das Veröffentlichen vorab nicht angekündigt hatte, sind alle Antworten bis aufs Geschlecht anonym. Wenn noch weitere dazu kommen, dann ergänze ich sie. Weitere Ergänzungen dürft ihr auch gerne in die Kommentarfunktion schreiben.

Nützliche Links:


Dieser Artikel wurde am 24. November 2019 um 20:39 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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2 Kommentare

  • Reply Dennis Schulz 24. November 2019 at 20:58:48

    Ich fahre in der Regel auch alleine meine Radtouren. Hab meine Ruhe, es läuft Musik, das surren des Antriebs im Hintergrund. Muss mich nur um mich selbst kümmern…
    Wobei manchmal wäre Begleitung schön, wenn man was schönes entdeckt würde ich den Moment gerne teilen wollen.

  • Reply Jacqueline 25. November 2019 at 16:49:54

    Ich finde Zeit allein auch unheimlich gut. Ich war schon diverse Male allein im Urlaub. Man ist mal ganz bei sich und hat auch einfach Ruhe, um wirklich den Alltagsstress hinter sich zu lassen. Weiter Pluspunkt aus meiner Sicht: Ich muss mich mit niemandem abstimmen, sondern kann selbst bestimmen. Ich will mal lange auspennen? Kein Problem. Ich stell mir den Wecker früh, um viel vom Tag zu haben? Kein Problem.

    Berufsbedingt bin ich es sowieso auch gewohnt allein viel im Zug unterwegs zu sein. Ich liebe diese Zeit, in der ich mal ein Buch lesen kann oder einfach nur doof aus dem Fenster schaue.

    Und auch sonst bin ich echt verhältnismäßig viel allein unterwegs. Mich kann z.B. im Sommer regelmäßig allein in einem schönen Cafe bei mir um die Ecke finden oder ich bin eine Runde an der Elbe spazieren und mache ein paar Fotos. Zeit für mich zu haben, ist mir super wichtig. Im Arbeitsalltag bin ich normalerweise die ganze Woche über von Menschen umgeben und führe viele Gespräche. Da bin ich am Wochenende auch mal ganz froh, wenn das anders ist. Das heißt jetzt um Himmels Willen nicht, dass ich nicht auch gern Freunde treffe! Aber oft mag ich es eben auch mal Dinge nur für mich zu machen und dabei keine Begleitung zu haben.

    Spannenderweise habe ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht, dass es anderen schwer fallen könnte, mal allein etwas mit sich zu unternehmen. Wenn ich aber näher drüber nachdenke, habe ich auch Leute in meinem Umfeld, die sich von einer Beziehung in die nächste stürzen, weil sie tatsächlich nicht allein können. War bei mir nie so. 🙂

    PS: Ich bin sogar regelmäßig allein im Kino – nicht im Mainstream-Kino. Ich habe bei mir um die Ecke zwei kleine, feine Kinos mit spannenden Filmen. 🙂

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