Auf Reise 26. Oktober 2020

Der nördliche Rheinsteig – mein erster Corona-Urlaub

Traumwanderweg Rheinsteig: 320 Kilometer von Wiesbaden nach Bonn

Wie ihr schon vom letzten Blogpost wisst, brauche ich immer eine ganze Weile bis eine erlebte Reise ihren Weg hier ins Blog findet. Als ich die Rheinsteig-Wanderung plante, war es Mitte Juni 2020 und ich hatte seit März alle Nächte im eigenen Bett verbracht. In der ersten Pandemiephase im März hatte ich sogar einige Wochen lang nicht mal mehr das Wiesbadener Stadtgebiet verlassen, so sehr hatte ich meinen Bewegungsradius eingeschränkt.

Nach einigen Tageswandertouren im April und Mai im Taunus und Rheinhessen zog es mich wieder hinaus in die große weite Welt – also genauer gesagt nach Sayn bei Koblenz. Mitte Juni, das war die Zeit, als Hotels und Pensionen gerade wieder für Nichtgeschäftsreisende öffnen durften. Auch Restaurants durften nach langer Take-Away-Phase wieder Gerichte zum Verzehr vor Ort anbieten. So viel zur Einordnung der besonderen Verhältnisse im Corona-Jahr 2020.

Der Wald wirkte irgendwie verzaubert....
Der Wald wirkte irgendwie verzaubert….

Treue Blogleser*innen wissen natürlich schon aus einem älteren Blogartikel und von dutzenden Fotos, dass ich ein großer Rheinsteig-Fan bin. Der Fernwanderweg startet direkt in Wiesbaden am Biebricher Schloss und führt immer auf der rechten Rheinseite durch den Rheingau, das romantische Obere Mittelrheintal, Koblenz und Neuwied. Er streift bei Linz die letzten Westerwald-Ausläufer und macht bei Bad Honnef noch einen Abstecher durch das Siebengebirge bis er nach rund 320 Kilometern schließlich in Bonn auf dem Marktplatz endet.

Den südlichen Teil, also die Strecke von Wiesbaden bis Koblenz bin ich mit Ausnahme einer Zweitagestour komplett in Tageswanderungen gewandert. Sprich morgens immer hingefahren und abends wieder zurück. Mit der Rheingau-Eisenbahn ist das auch bestens machbar – die Etappen starten und enden sowieso immer in Orten mit Bahnhöfen. Die letzte Etappe, die ich als Tagesetappe ging, führte von Ehrenbreitstein über Vallendar bis zum Schloss Sayn. Am 29. Dezember 2019 war das – ein wunderschöner, sonniger und frostiger Wintertag.

Eine kurze Passage über offenes Gelände, gleich danach ging es wieder in den Wald.
Eine kurze Passage über offenes Gelände, gleich danach ging es wieder in den Wald.

Da der Rheinsteig um das Neuwieder Becken einen großen Bogen macht und man den Rhein zwei Tage lang eigentlich gar nicht zu Gesicht bekommt, war schon lange klar, dass ich die nun folgenden rund 50 Kilometer auf jeden Fall mit Zwischenübernachtung wandern will. Nördlich von Neuwied trifft der Wanderweg dann wieder auf den Rhein und eine bessere Verkehrsanbindung.

Der Blick über das wolkenverhangene Neuwieder Becken.
Der Blick über das wolkenverhangene Neuwieder Becken.

Nachdem also fast alle Wisper-Trails im Taunus und etliche Hiwweltouren in Rheinhessen abgewandert waren, brachte mich meine Arbeitskollegin Dani auf den nördlichen Rheinsteig. Sie spülte mir zusammen mit ihrem Hund fleißig Bilder davon in meine Instagram-Timeline. Da ich von meinem ursprünglichen Urlaubsplan, Georgien ohne Flugzeug zu bereisen, ohnehin längst Abschied genommen hatte, kam mir die Anregung für meine Urlaubswoche Ende Juni gerade recht.

Den Rhein bekam ich heute nicht zu Gesicht, dafür das Flüsschen Wied und diese hübsche Brücke.
Den Rhein bekam ich heute nicht zu Gesicht, dafür das Flüsschen Wied und diese hübsche Brücke.

Es folgte, was bei mir immer folgt vor einem Urlaub: einige Abende am PC, die ich benötige, um mir meine Etappenlängen und Übernachtungsorte selbst zusammen zu stellen. Hätte ich mich an die offiziellen Etappen gehalten, so hätte ich für die restliche Strecke bis Bonn 7 Tage gebraucht. Aber nach 15-16 Kilometern ist man bin ich doch gerade erst warm gelaufen. Aus diesem Grund habe ich die 125 Kilometer bis Bonn auf 5 Tage verteilt. So waren jeden Tag gute 25 Kilometer drin.

Diesem Zeichen galt es zu folgen bis nach Bonn!
Diesem Zeichen galt es zu folgen bis nach Bonn!

Da ich am Schloss in Sayn zeitig loswandern wollte, musste ich Wiesbaden ganz schön früh verlassen. Aber an einem Samstagmorgen kurz vor sieben Uhr waren wenigstens die Züge schön leer. Koblenz Hauptbahnhof war gegen 8:15 Uhr erreicht. Nun hieß es ein paar Minuten warten auf einen Stadtbus, der mich das letzte Stückchen zum Startpunkt brachte. Die ersten paar Haltestellen fuhren noch 2-3 andere Fahrgäste mit, die restliche Strecke fuhr der lange Gelenkbus nur für mich.

Etappe 1: Sayn – Rodenbach (23,9 Kilometer)

Kurz nach neun Uhr war es dann endlich soweit: ich konnte meine erste Etappe starten. Ganz alleine. Mit reichlich Abstand zu allem und jedem warteten die ersten 24 Kilometer auf mich. Nach einem kurzen „Spaziergang“ durch den schönen Schlosspark folgte, was einen auf jeder Rheinsteig-Etappe zu Beginn erwartet. Ein steiler und langer Anstieg. Oben angekommen, führt der Weg immer am Rand zwischen Wald und Wiesen entlang, vorbei am Neuwieder Zoo, wo nach Voranmeldung einige wenige Gäste wieder ins Zoogelände durften. Ansonsten gab es aber kaum Zivilisation auf der Strecke. Die wenigen Dörfer bis Rengsdorf wurden alle nur gestreift. Viel Waldbaden war angesagt auf der Etappe bis nach Rodendorf.

An der Aussichtshütte Nonnenley kann man seit 150 Jahren Waldbaden.
An der Aussichtshütte Nonnenley kann man seit 150 Jahren Waldbaden.
Eins der vielen nett restaurierten Häuschen in Rengsdorf.
Eins der vielen nett restaurierten Häuschen in Rengsdorf.

Mit dem Chefjens-Bauernhof in Rodenbach fand ich dann aber doch noch eine tolle Unterkunft. Fast direkt am Rheinsteig gelegen, bietet die Pension eine Ferienwohnung und zwei Doppelzimmer. Passenderweise war ich im Zimmer „Rheinsteig“ untergekommen. Wer nur eine Nacht bleibt, muss zum Übernachtungspreis von 32 Euro noch einen Aufschlag von 10 Euro bezahlen, aber das ist ja immer noch recht günstig. Leckeres Frühstück im Hofcafé bucht man sich für rund 5 Euro dazu.

Meine Unterkunft am ersten Abend. Alles ganz neu eingerichtet.
Meine Unterkunft am ersten Abend. Alles ganz neu eingerichtet.

Eigentlich könnte ich jetzt dazu übergehen die zweite Etappe zu beschreiben, aber ich hatte noch kein Abendessen und es gibt im Dorf auch keine Gaststätte mehr. Daher habe ich zusammen mit der Familie, der die Pension gehört, Pizza bestellt. Radler, Cola und Eis zum Nachtisch gab’s noch frei Haus dazu aus dem gut gefüllten Kühlschrank im Schuppen.

Etappe 2: Rodendorf – Bad Hönningen (25,6 Kilometer)

Der zweite Tag startete nach reichlichem Frühstück. Aufgrund von Corona-Sicherheitsbestimmungen ohne Buffet. Dafür war von allem reichlich auf meinem Tisch eingedeckt. Alles, was ich vor Ort nicht geschafft habe, sollte ich einpacken als Proviant. Da es im Ort auch kein Bäcker gab, war das natürlich ein netter und willkommener Service.

Das, was auf dem Foto so eintönig grau wirkt, das war die Nebeldecke. War in Echt viel schöner als auf dem Foto.
Das, was auf dem Foto so eintönig grau wirkt, das war die Nebeldecke. War in Echt viel schöner als auf dem Foto.

Die erste Stunde auf der Wanderung konnte ich schön zugucken, wie der Tag erwacht. Die Sonne brauchte auf der Hochfläche nämlich etwas länger, bis sie den morgendlichen Nebel vertrieb. Über Felder und entlang von Pferdekoppeln führte der Rheinsteig nach Leutesdorf, gegenüber vom Andernacher Geysir gelegen, wo ich endlich wieder auf den Rhein traf. Dass bei Andernach ein Geysir existiert, das wusste ich zu der Zeit leider noch nicht. Das lernte ich erst einige Wochen später in einer Kabel1-Doku.

Wunderschöner Abschnitt an etlichen Streuobstwiesen vorbei.
Wunderschöner Abschnitt an etlichen Streuobstwiesen vorbei.
Oben angekommen belohnt ein toller Ausblick auf das Rheintal.
Oben angekommen belohnt ein toller Ausblick auf das Rheintal.

Mit dem Rhein kamen dafür die steilen Hänge und die Weinberge zurück auf den Rheinsteig. Zum Glück war die Temperatur an diesem Sonntagvormittag noch moderat. Zwischen den Steinmauern und gänzlich ohne Schatten kann sich die Hitze nämlich ganz schön stauen.

Diesen steilen Weinberg galt es über Serpentinen zu erklimmen.
Diesen steilen Weinberg galt es über Serpentinen zu erklimmen.
Ein bisschen schwindelfrei muss man schon sein auf dem Rheinsteig.
Ein bisschen schwindelfrei muss man schon sein auf dem Rheinsteig.

Irgendwo dort in den Weinbergen traf ich auch den einzigen anderen Fernwanderer in den fünf Tagen. Genau wie ich trug er seine große Spiegelreflexkamera mit einem Clip von Peak Design am Rucksackgurt über der Brust. Darüber kamen wir ins Gespräch. Eigentlich wollte er von Berlin nach Barcelona wandern. Da das ins Wasser fiel, wanderte er nun eben auf dem Westweg im Schwarzwald und dem Rheinsteig. Ich empfahl ihm noch meine Pension und wünschte ihm auch ohne spanischen Boden unter den Füßen ¡Buen Camino!

Mit einem kurzen Abstecher zur Burg Hammerstein gab es am Nachmittag eine tolle Ruine mit bestem Ausblick auf das Rheintal auf dem Weg. Den Schlenker solltet ihr also auf jeden Fall mitnehmen. Kurz danach folgte mit der Rheinbrohler Ley nochmal ein Aussichtspunkt. Diesmal aber eher als Plateau und weil sie bequem mit dem Auto erreichbar ist, auch mit ein paar mehr Menschen.

Etwas versteckt und ziemlich verwildert: die Burg Hammerstein.
Etwas versteckt und ziemlich verwildert: die Burg Hammerstein.

Unbedingt erwähnen muss ich auch noch die tollen Himmelbänke, die man auf dem Abschnitt zwischen Leutesdorf und Unkel auf dem Rheinsteig fand. Ich nehme an, dass hier das Land Rheinland-Pfalz kräftig mitfinanziert hat, denn in NRW gab es entlang des Weges leider keine mehr. Ein Foto von einer gibt es im Abschnitt über die dritte Etappe.

Links der Abgrund, rechts eine Koppel, dazwischen der Rheinsteig.
Links der Abgrund, rechts eine Koppel, dazwischen der Rheinsteig.
Nach den Weinbergen endlich mal wieder ein schattiger Abschnitt.
Nach den Weinbergen endlich mal wieder ein schattiger Abschnitt.

Zielort der zweiten Etappe war dann schließlich Bad Hönningen. Im Kurstädtchen gibt es dann auch wieder mehr Auswahl beim Übernachtungsangebot. Wer allerdings auf eine schöne Altstadt hofft und sich vom „Bad“ täuschen lässt, der muss leider feststellen, dass die Innenstadt in Bad Hönningen zum größten Teil aus hässlichen 50er-Jahren Häusern besteht. Ergänzt werden die nur noch durch noch hässlichere Betonbauten aus den 70er-Jahren. Sei’s drum: für einen Abend und eine Nacht ging es schon.

Abkühlung direkt im Rhein.
Abkühlung direkt im Rhein.

Am Rheinufer war es durch die große Wiese und den flachen Zugang ins Flussbett sehr schön. Hier habe ich nach der Wanderung dann auch erstmal die heißen Füße gekühlt. Zu Abend gegessen und übernachtet habe ich im Bit-Eck. Weil ich ein Gericht ohne Fleisch wollte, blieb nur die Portion Kässpätzle. Die war lecker und groß. Bis auf das etwas spartanische Frühstück war die Unterkunft auch ganz okay. Mit 38 Euro war es aber auch meine günstigste Übernachtung auf der Tour.

Etappe 3: Bad Hönningen – Unkel (22,4 Kilometer)

Mein dritter Tag startete ziemlich bewölkt und ich wusste nicht so genau, was das Wetter heute machen wollte. Eigentlich sah morgens alles nach Regen aus, vorsichtshalber hatte ich beim Start schon einmal die Regenjacke mit angezogen. Nach einem kurzen Stopp für meinen Proviant bei einem Bäcker, ging es dann vorbei am Schloss Arenfels natürlich wieder den Berg hoch.

Grauer Himmel und Schloss Arenfels über Bad Hönningen.
Grauer Himmel und Schloss Arenfels über Bad Hönningen.
Kaputter Weg? Okay...
Kaputter Weg? Okay…

Oben auf dem Plateau tauchte dann ein seltsames Schild auf. Nach über 200 Kilometer auf dem Rheinsteig, teils über steile Weinberge und in den Felsen gehauene Tritte, empfing mich bei Leubsdorf ein Schild, das auf „Schadhafte Wegstrecke“ hinwies. Was dann folgte, war jedoch ein ganz normaler Wanderpfad durch eine Hohlgasse. Nirgendwo schadhaft. Nirgendwo gefährlich. Muss man wohl nicht verstehen.

Hätte man sich dieses Schild mal lieber gespart und dafür den Rheinsteig unten im Tal ein bisschen besser ausgeschildert. Das war nämlich die einzige Stelle, wo ich in die falsche Richtung abbog. Aber ein aufmerksamer Rentner machte den Fremden mit den Wanderstöcken und dem großen Rucksack nur wenige Meter später darauf aufmerksam, dass er an der letzten Kreuzung seinen Weg verlassen hat und schickte mich wieder zurück. Vielleicht hat er das Schild auch selbst abmontiert, damit er den Tag über ein wenig mehr Abwechslung in seinem Gärtchen an der Straße hat. Wer weiß.. 😉

Pause in der Himmelsbank!
Pause in der Himmelsbank!

Hinter dem Dörfchen Leubsdorf kam dann doch noch ein Regenschauer. Aber ich hatte Glück, denn nach nur wenigen Tropfen von oben, kam eine tolle Unterstandshütte. Ich saß allerdings keine zwei Minuten drin, als eine Waldkindergartengruppe den Berg hoch kam. Und die Gruppe freute sich ebenfalls über die Hütte. Weil ich keine Lust auf andere Menschen hatte, zog ich kampflos weiter. Aber länger als eine halbe Stunde hatte es ohnehin nicht geregnet. So konnte die Regenjacke wenigstens kurz zeigen, dass ihre Imprägnierung noch hält.

Gegen Mittag folgte dann Linz. Bei schönem Wetter sicher auch ein tolles Städtchen. Ich sah es leider nur grau-in-grau. Nachdem die Altstadt von Linz durchquert war, ging es wieder einmal steil bergauf – hoch zum Stadtteil Ockenfels. Oben lud dann eine weitere Himmelsbank zur Mittagsrast ein. Und wie ich da so eine gute halbe Stunde saß, zeigte sich doch tatsächlich die Sonne. Wenig später blauer Himmel ohne ein Wölkchen am Himmel, also schmierte ich mich beim Mittagsstopp gleich noch mit Sonnencreme ein.

Jetzt seht ihr endlich auch mal eine Himmelsbank!
Jetzt seht ihr endlich auch mal eine Himmelsbank!

Vom Linzer Bahnhof zweigt eine Nebenbahn durch das enge Kasbachtal auf einer der steilsten Eisenbahnstrecken ab hoch Richtung Westerwald. Die Strecke habe ich auf der Etappe auch gesehen und an einem mächtigen Viadukt unterquert. Leider ist sie wie so viele Nebenbahnen schon lange stillgelegt. Allerdings kann man an Sommersonntagen noch einen Teil der Strecke in einem alten Schienenbus im Museumsbetrieb fahren. Genaueres verrät die Homepage der Eisenbahnfreunde.

Nach einem steilen Abstieg unter einer Eisenbahnbrücke hindurch, wartet dann im Örtchen Kasbach eine endlose Treppe auf Euch. Diese führt hoch auf die Erpeler Ley. Ein Foto von ihr hab ich nicht gemacht, war wohl zu erschöpft dazu. Von der Ley habt ihr abermals tollen Ausblick auf das Untere Mittelrheintal und die Höhen auf der anderen Rheinseite. Ley ist übrigens ein altes Wort für Klippe oder Fels. Habt ihr im Wort Loreley alle schon einmal gehört.

Auch dort erwarten euch wieder mehrere Himmelsbänke. Der Rheinsteig macht an der Stelle eine Rundschleife und man kommt an einer Kreuzung zweimal vorbei. Aber keine Sorge – ist alles gut ausgeschildert.

Wieder ein verwunschener Abschnitt durch einen Waldabschnitt.
Wieder ein verwunschener Abschnitt durch einen Waldabschnitt.

Nach den ganzen Anstiegen und Abstiegen folgt nun mal wieder ein Stück ohne Höhenmeter. Durch eine Pferdekoppel – ja mitten durch – führt ein herrlicher Wandertrail zum fein herausgeputzten Dörfchen Orsberg. Dort gab es am Dorfplatz auch einen hübschen Brunnen, an dem ich meine Wasserflasche nochmal füllen konnte. Das in Deutschland obligatorische „Kein Trinkwasser“-Schild müsst ihr dabei eben ignorieren.

Kurz vor Orsberg: einer der schönsten Abschnitte auf dem Rheinsteig.
Kurz vor Orsberg: einer der schönsten Abschnitte auf dem Rheinsteig.

Von nun an führt der Weg bis zum Etappenziel Unkel nur noch bergab. Im Wald vor Unkel müsst ihr dann in einer scharfen Kurve den blau beschilderten Rheinsteig verlassen und noch ein paar Kilometer auf dem gelben Rheinsteig-Zuweg wandern.

Die folgenden Meter waren auf meiner Wanderung leider die unangenehmsten. Das lag aber nicht am Weg, sondern vielmehr an einem Drecksköter. Dieser meinte, das lang gezogene Waldgrundstück seines Herrchens besonders gut bewachen zu müssen. Er kläffte und bellte zwar hinter einem Zaun, aber besonders vertrauenswürdig sah diese Konstruktion nicht aus. Wer also Angst vor Hunden hat, der sollte diesen Abschnitt vielleicht besser meiden und einen kleinen Umweg nehmen.

Die Stadt Unkel erreicht man dann über eine wackelige Fußgängerbrücke, die über die stark befahrene Bundesstraße führt. Anschließend folgen noch ein paar hundert Meter durch Wohngebiete bis schließlich die Altstadt am Rheinufer erreicht ist.

Eine der vielen netten Gassen in Unkel.
Eine der vielen netten Gassen in Unkel.

Im Gegensatz zu Bad Hönningen hatte Unkel alles, was ich von einer netten Kleinstadt am Rheinufer erwarte. So viel ist das ja nicht – eigentlich reicht mir schon eine schnuckelige Altstadt mit vielen kleinen Gassen mit Rheinufer-Promenade. Bei beidem konnte Unkel glänzen. Genächtigt habe ich im Gästehaus Korf. Für den Komfort und das leckere Frühstück waren 44 Euro echt ein Spitzenpreis.

Die Rheinufer-Promenade in der Abendsonne in Unkel.
Die Rheinufer-Promenade in der Abendsonne in Unkel.
Die Uferpromenade gesäumt von prächtigen Villen.
Die Uferpromenade gesäumt von prächtigen Villen.

Und weil zum Gästehaus auch noch eine Gaststätte mit total schönem und ruhigem Innenhof gehört, habe ich dort auch gleich Abend gegessen. Nach einer kleinen Fotorunde zum Rheinufer fiel ich dann abends sehr müde ins Bett. Am nächsten Tag wartete das Siebengebirge auf mich.

Sonnenuntergang am Rhein, im Hintergrund sieht man schon das Siebengebirge.
Sonnenuntergang am Rhein, im Hintergrund sieht man schon das Siebengebirge.

Etappe 4: Unkel – Königswinter (27,1 Kilometer)

Tag 4 könnte man im Nachhinein als meine Königsetappe bezeichnen. Sie hatte die meisten Höhenmeter und war zugleich die längste. Doch der Reihe nach. Los ging’s morgens so früh wie es die Frühstückszeiten im Hotel erlaubten. Die bevorstehenden 27 Kilometer wollte ich am frühen Nachmittag geschafft haben. Der Wetterbericht versprach nämlich an die 34 Grad und Sonne satt. Ein typischer Juni-Tag eben.

Die Tour startete in Unkel auf Rheinhöhe und führte durch ein schönes Waldstück auf eine waldfreie Ebene. Vorbei an saftig grünen Pferdekoppeln führte mich der Rheinsteig am vierten Tag durch das Siebengebirge bis nach Königswinter. Ohne Corona das Reiseziel aller deutschen Kegelclubs. Mit Corona und Beschränkungen im Reisebus, Hotel und überall sonst ein total verschlafenes Nest. Aber dazu später mehr.

Schöner hätte der Tag nicht starten können.
Schöner hätte der Tag nicht starten können.

Wie das so auf dem Rheinstieg ist, hielt die Ebene nicht besonders lange an. Nach zwei oder drei Kilometer ging es wieder in einen Wald hinein und dann wieder einmal bergab. Wenig später machten sich dann die ersten Ausläufer des Siebengebirges bemerkbar. Es ging wieder bergauf.

Man muss aber auch dazu sagen, dass ich auf dieser Etappe einige Male vom Rheinsteig und seiner Beschilderung abgewichen bin, denn ich wollte mit Leyberg und dem Löwenberg noch zwei extra Berge mitnehmen um die Aussicht zu genießen. Dafür sparte ich mir den Schwenk Richtung Stadtgebiet von Bad Honnef. Folgt man den offiziellen Etappen, dann ist das Städtchen ein Übernachtungsort. Aber wie bereits geschildert, plane ich die Länge meiner Etappen ja lieber individuell.

Dieses Schild mitten im Wald muss da schon ein paar Jahrzehnte hängen...
Dieses Schild mitten im Wald muss da schon ein paar Jahrzehnte hängen…

An der Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen musste ich noch durch einen zerstörten Wald. Wie auf dem Bild unschwer zu erkennen, erfolgte hier ein Kahlschlag. Wahrscheinlich war es hier wie überall viel zu trocken und die angeschlagenen Bäume dann ein leichtes Opfer für den Borkenkäfer. Ein richtig trauriger Anblick. Außerdem machte sich durch den fehlenden Schatten nun so langsam auch die Vormittagssonne bemerkbar. Zeit für eine kleine Vesper- und Eincreme-Pause.

Bei diesem Kahlschlag blutet mir richtig das Herz.
Bei diesem Kahlschlag blutet mir richtig das Herz.

Mit dem Leyberg folgte dann der erste „Gipfel“ für den Tag. Der kegelförmige Basaltberg sollte laut Wikipedia eine Rundumsicht ermöglichen. War dann auch so, aber den richtigen Pfad auf den Gipfel zu finden war gar nicht so einfach. An einer Stelle verpasste ich eine Kehrtwende des Weges und ging noch ein paar Schritte weiter in die falsche Richtung. Aber schon nach wenigen Metern stand man vor einer fast senkrechten Felsenwand und ja, Kletterausrüstung hatte ich keine dabei.

Außerdem wisst ihr ja, dass ich’s mit der Höhe nicht so habe. Ich hatte den Panoramablick schon abgeschrieben und wollte wieder runter, da sah ich auf dem Rückweg, dass ich falsch abgebogen war. Zurück auf dem richtigen Weg, startete ich einen zweiten Anlauf. Dieser war zwar mit großen Stufen, engen Durchlässen für mich und meinen großen Rucksack immer noch schwierig, aber er war machbar. Oben auf dem 393 Meter hohen Berg dann endlich ein Panoramablick. Nicht ganz 360 Grad, dazu wuchs zu viel Gestrüpp auf dem Berg, aber in 3 von 4 Himmelsrichtungen hatte man gute Sicht.

Über dieses Geröllfeld führte der Weg hoch zum Ausguck.
Über dieses Geröllfeld führte der Weg hoch zum Ausguck.

Die ersten Meter folgte mein Abstieg demselben Pfad wie hoch, aber dann wechselte ich auf einen Waldweg, auf dem ich laut komoot über einen Trampelpfad wieder zum Rheinsteig kommen sollte. War mir beim Planen schon klar, dass das ein bisschen mutig wird. Hätte auch sein können, dass ich den kompletten Weg zurück muss. Aber ausprobieren wollte ich es.  Vor Ort stellte sich dann raus, dass der Pfad genau genommen gar kein Pfad war. Da hatte einfach jemand querfeldein einen Weg durch den Wald in die Karte gemapped. Aber nach anderthalb Kilometer über Stock und Stein, Gestrüpp und Wurzeln war das Stückchen auch geschafft.

Immer nur bergauf. Aber der Wald war dafür wieder wunderbar.
Immer nur bergauf. Aber der Wald war dafür wieder wunderbar.

Von der Streckenlänge her hatte ich nun ungefähr Halbzeit, aber auf dem Höhenmeterkonto wartete der Großteil noch auf mich. Zurück auf dem Rheinsteig begrüßte mich dieser mit einem 4,5 Kilometer langen Anstieg. Laut komoot ging es durchgängig mit 8 bis 10% bergauf. Das war nicht schön. Aber irgendwann war auch der Abschnitt geschafft. Der Anstieg hat nur meinen Wasservorrat ziemlich zunichte gemacht. Zwei Liter habe ich auf meine Touren immer dabei. Meistens reicht mir das auch, aber an manchen Tagen eben auch nicht.

Mit etwas Glück führt der Weg dann an einem Dorf vorbei in den man Nachschub bekommt. Aber dies ist auf dem Rheinsteig meistens nicht der Fall. Außer man nimmt einen Umweg mit zusätzlichem Auf- und Abstieg in Kauf. Ausflugsgaststätten gibt’s entlang der Route auch fast keine. Ab und an hilft einem noch ein Wasserhahn auf Friedhöfen. Da muss man dann halt immer probieren, ob es wirklich Trinkwasser oder nur Zisternenwasser ist. Aber bisher hatte ich immer Glück.

Die Aussicht vom Löwenberg auf das Rheintal
Die Aussicht vom Löwenberg auf das Rheintal

Mitten im Siebengebirge war aber kaum mit einem Friedhof zu rechnen. Dafür aber mit einem Ausflugslokal auf dem Löwenberg. Bis dahin sollte ich es auf jeden Fall noch schaffen. Den Wasserhahn oder ein kaltes Radler vor Augen und durch eine kurze Pause ein wenig erholt vom langen Anstieg, blieb ich dann auf bei meinem Plan und nahm die Stichstrecke auf den Löwenberg mit. Der ist nochmal 100 Meter höher wie der Leyberg und kann auf seinem Bergplateau mit einer Ruine – der Löwenburg – aufwarten. Richtig schön war es da oben. Und auf der ganzen Route von Koblenz bis Bonn auch der einzige Platz, den ich mir mit anderen Wanderfreunden teilen musste.

Einige Überreste der Burg auf dem Löwenberg stehen noch und geben eine nette Kulisse.
Einige Überreste der Burg auf dem Löwenberg stehen noch und geben eine nette Kulisse.

Nach ein paar Fotos oben auf dem Berg machte ich mich auf zur Gaststätte. Wie sich dann leider herausstellte, hatte sie just an jenem Tag außerplanmäßig geschlossen, weil Wartungsarbeiten an der Wasserleitung stattfanden. Geile Sache dachte ich mir, denn bis zum nächsten Ort waren es nochmal locker 5-6 Kilometer Strecke. Ich wollte schon aufbrechen, aber dann entdeckte ich am Rand der Terrasse einen Getränkeautomaten.

Genau genommen hörte ich ihn zuerst. Das Gebrummel der Kühlung machte sich bemerkbar. Mit den letzten 3-4 Münzen Bargeld versorgte ich mich nun mit Nachschub. Anschließend ging es über tolle Pfade und einige Bergrücken runter nach Rhöndorf. Dort hätte es dann auch ein nettes Café gegeben, aber mir war schlicht zu heiß. Ich wollte nur noch ins Hotel.

Uferweg statt Drachenfels. Für Tag 4 hatte ich genug Höhenmeter.
Uferweg statt Drachenfels. Für Tag 4 hatte ich genug Höhenmeter.

Der Rheinsteig hätte an dieser Stelle über steile Treppen und wieder um die 250 Höhenmetern hoch auf den Drachenfels geführt. Von dort hätte ich dann wieder ins Tal müssen zu meinem Hotel in Königswinter. Das wollte ich meinen Füßen dann doch nicht mehr antun und folgte die letzten 3 Kilometer stattdessen einfach dem Uferweg. An jenem Tag war ich doch recht kaputt. Die Hitze außerhalb des Waldes hatte mir doch zu schaffen gemacht.

In Königswinter hatte ich mich im Maritim-Hotel einquartiert. Früher wäre mir das unangenehm gewesen mit dreckigen Wanderschuhen und großem Rucksack in ein Vier-Sterne-Hotel zu schlappen, aber inzwischen macht mir das überhaupt nichts mehr aus. Hat sich auch noch nie jemand getraut was zu sagen… 😉

Im Hotelzimmer mit Klimaanlage konnte ich meinen Körper ordentlich runterkühlen.
Im Hotelzimmer mit Klimaanlage konnte ich meinen Körper ordentlich runterkühlen.

Nach einer Dusche und einem kleinen Mittagsschlaf im klimatisierten Zimmer machte ich mich am frühen Abend auf die Suche nach einem Restaurant. Aber irgendwie hatte kaum was geöffnet. Die allermeisten Restaurants hatten komplett geschlossen. So blieb dann nur noch eine Pommesbude, in der ich mir mein Abendessen holte. Im Supermarkt nebenan noch eine Packung Chips und ein Bier und ich war happy für den Abend.

Ich weiß nicht mehr ganz genau wann ich eingeschlafen bin, aber es muss sehr früh gewesen sein. Für den nächsten Tag hätte ich nämlich den Plan gefasst um 6:00 Uhr loszuwandern. Das erste Foto machte ich am fünften Tag um 5:44 Uhr im Aufzug. Ich hatte es also durchgezogen.

Etappe 5: Königswinter – Bonn (26,0 Kilometer)

Die fünfte und letzte Etappe sollte mich zum nördlichen Ende des Rheinsteigs bringen: in die Bundesstadt Bonn. Am Beginn der Etappe wartete gleich der 320 Meter hohe Drachenfels auf mich. Auf diesen führt eine schöne Zahnradbahn, mit der ich auch gerne gefahren wäre. Aber die Betriebszeiten ab 11:00 Uhr und mein Wunsch die Etappe kurz nach Sonnenaufgang zu starten, passten nicht zusammen. Somit blieb nichts anderes übrig, als den Berg hochzuwandern.

Kann mich nur wiederholen: ich liebe diese Ausblicke auf das Rheintal.
Kann mich nur wiederholen: ich liebe diese Ausblicke auf das Rheintal.

Etwa eine Stunde nach Beginn meiner Wanderung war ich dann oben. Zeit für ein Frühstück mit Blick auf das Rheintal und das Siebengebirge mit all den Gipfeln und Bergrücken, über die die vierte Etappe am Vortag führte. Oben auf dem Berg begegneten mir nur eine einige Jogger, die nach den 250 Höhenmetern Anstieg vom Rhein hoch auch ein bisschen verschnaufen mussten.

So schön es auch war, irgendwann musste ich dann doch mal ans Weiterlaufen denken. Ich hatte ja noch gute 20 Kilometer vor mir. So machte ich es dann auch kurz vor 8. Ich begutachtete noch schnell die Treppen von Rhöndorf hoch, die der Rheinsteig eigentlich hochkommt und war froh, dass ich den Abschnitt gestern weggelassen hatte.

Das Siebengebirge etwa zwei Stunden nach Sonnenaufgang.
Das Siebengebirge etwa zwei Stunden nach Sonnenaufgang.

Mein nächstes Ziel war nun der Petersberg. Der Berg liegt schon fast auf Bonner Stadtgebiet und beherbergt ein Luxushotel. Dieses diente in der Zeit der Bonner Republik als Grandhotel für sämtlichen Staatsgäste und sah von außen schon ganz nett aus. Rein getraut habe ich mich aber nicht, man muss hier wohl eher im Rolls Royce vorfahren um standesgemäß empfangen zu werden.

Aber noch war ich ja auf dem Drachenfels, wo noch eine Überraschung auf mich wartete. Kurz nach 8 Uhr fuhren erste Handwerker mit einem wunderschönen Zahnradbahn-Triebwagen auf den Berg hoch. Und dieser musste natürlich auch noch auf Fotos festgehalten werden. 🥰

Was für ein wundervolle Schmuckstück. Die Drachenfels-Bahn.
Was für ein wundervolle Schmuckstück. Die Drachenfels-Bahn.

Als das erledigt war, konnte ich mich endlich auf dem Weg machen. Über wunderschöne Waldwege ging es zum Petersberg, nur die Bundesstraße, die sich im lang gestreckten Tal zwischen den beiden Bergen hoch geschlängelte, die störte die Idylle ziemlich. Aber Verkehrslärm sollte mich auf der letzten Etappe noch einige Male mehr stören.

Nach 7 Kilometern am Grandhotel angekommen wollte ich nicht schon wieder übernachten, also ging es weiter.
Nach 7 Kilometern am Grandhotel angekommen wollte ich nicht schon wieder übernachten, also ging es weiter.

Nach ein paar Fotos und kurzer Rast auf dem Petersberg führte der Rheinsteig zum Kloster Heisterberg. Eine große Anlage, die man auch betreten kann. Leider ist vom ursprünglichen Kloster selbst nur noch wenig übrig.

Die Chorruine im Kloster Heisterbach steht noch. Eignet sich bestimmt prima für OpenAir-Gottesdienste.
Die Chorruine im Kloster Heisterbach steht noch. Eignet sich bestimmt prima für OpenAir-Gottesdienste.

Nach dem Kloster-Abstecher führte der Weg nun wieder zurück an die „Kante“ zum Rheintal. Bei Bonn-Oberkassel trifft man dann sogar nochmal auf Weinberge. Nördlicher gibt’s dann keine Weinanbaugebiete und auch keine Berge entlang des Rheins mehr.

Ausblick auf Bonn. Das Ziel ab jetzt immer vor Augen.
Ausblick auf Bonn. Das Ziel ab jetzt immer vor Augen.

Durch die Bonner Vororte schlängelt sich zwischen Rhein und Rheinhöhe mitten durchs Stadtgebiet eine Autobahn. Und die hört man leider auch fast die ganze Zeit, wenn man oben am Hang wandert. So richtig ruhig war das Großstadtwandern also nicht. Aber für eine Zuwegung in eine Großstadt hinein war es dann doch noch ziemlich grün.

Ein wunderschöner Pfad, der auf den Petersberg führte.
Ein wunderschöner Pfad, der auf den Petersberg führte.

Eine Ausnahme davon bildet lediglich der Abschnitt unter dem Autobahndreieck Bonn-Ost hindurch, das eigentlich mehr ein Autobahnkreuz ist. Hat man aber unten in Bonn-Ramersdorf das Rheinufer erreicht, so hat man es die letzten Kilometer nochmal richtig schön. Auf beiden Uferseiten führen langgestreckte Parkanlagen bis zur Bonner Innenstadt.

Ich blieb auf der rechten Rheinseite, hätte aber auch genauso gut auf die linke Seite wechseln können, wo mich der Weg dann direkt an der Villa Hammerschmidt und am alten Bundestag vorbeigeführt hätte. Von der anderen Rheinseite aus konnte man die noblen Villen und sonstigen Gebäude der Regierungszeit aber auch ganz gut sehen.

Die Parkanlagen in Bonn können sich sehen lassen. Unter diesen Bäumen habe ich meine letzte Rast gemacht.
Die Parkanlagen in Bonn können sich sehen lassen. Unter diesen Bäumen habe ich meine letzte Rast gemacht.

Kurz vor dem Ziel genehmigte ich mir dann nochmal eine längere Rastpause unter wunderbaren Platanen. Im Gegensatz zur zugebauten Stadt war es hier im Grünen gut aushaltbar. Ich glaub, ich habe da sogar ein kleines Nickerchen gemacht.

Mein krönender Abschluss der Rheinsteig-Wanderung wurde dann die Überquerung des Rheins. Sonst wandert man ja ab Wiesbaden durchgehend auf der rechten Seite.

Die einzige Rheinquerung zwischen Start- und Zielort auf dem Rheinsteig.
Die einzige Rheinquerung zwischen Start- und Zielort auf dem Rheinsteig.

Für diese hatte ich mir die Personenfähre „Rheinnixe“ ausgesucht – standesgemäß ging es direkt über das Wasser auf die andere Seite. Kurz nach der Anlegestelle auf Bonner Seite verliert sich dann auch so langsam die ansonsten hervorragende Markierung des Rheinsteigs. Offizielles Ende soll wohl auf dem Marktplatz sein. Aber da war mir zu viel Trubel und so nahm ich lieber eine Route an der Innenstadt vorbei zum Bahnhof.

Das verdiente Eis am Ziel oder ein kaltes Radler musste ausfallen, ich wollt nur noch weg von der Hitze. Also schnell hinein in den nächsten gut klimatisierten Regionalexpress Richtung Süden. Rund 2,5 Stunden später war dann alles vorbei und ich wieder zuhause.

Das letzte Schild. Mach's gut Rheinsteig!
Das letzte Schild. Mach’s gut Rheinsteig!

So endete meine Rheinsteig-Wanderung also relativ unspektakulär. Aber ich empfand es nicht als schlimm. Es war wunderschön nach den Wochen „Nur zuhause rumsitzen“ seit Anfang des Jahres endlich mal wieder rauszukommen. Auf der Heimfahrt mit der Bahn konnte ich dann nochmal den kompletten Weg Revue passieren lassen.

Auf der Heimfahrt im Zug - natürlich stets am Rhein entlang.
Auf der Heimfahrt im Zug – natürlich stets am Rhein entlang.

Insgesamt habe ich für die 340 Kilometer von Wiesbaden nach Bonn 16 Tagesetappen benötigt. Angegeben wird die Länge des Rheinsteigs mit 320 Kilometer, aber da kommen ja noch viele Zu- und Abwege von den Bahnhöfen hinzu. Gegenüber den offiziellen Etappen habe ich‘s also 5 Tage schneller geschafft. 😊

Dafür habe ich aber auch knapp zwei Jahre benötigt für die gesamte Strecke. Bis auf den nördlichen Abschnitt und eine Doppeletappe zwischendrin bin ich ja alle anderen Etappen als Tagestour gewandert, wenn gerade Zeit war und sonst nichts anstand. Wer noch etwas über eine Rheingau-Etappe vor zwei Jahren lesen will, der findet den Blogpost hier.

Mein Lieblingswanderweg wird der Rheinsteig aber auch weiterhin bleiben. Im Juli und September hatte ich Besuch in Wiesbaden und wir sind dann zusammen jeweils die meiner Meinung nach schönste Etappe gewandert. Für mich führt der schönste und abwechslungsreichste Abschnitt von Assmannshausen nach Lorch. Und bei guter Kondition nochmal 7 Kilometer weiter bis nach Lorchhausen.

Meine Route bei komoot:

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Dieser Artikel wurde am 26. Oktober 2020 um 15:20 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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3 Kommentare

  • Reply Michael 26. Oktober 2020 at 20:21:09

    Danke! Sehr spannend. Und Rheinland-Pfalz richte ich die Freude über die Himmelsbänke aus 😉

    • Reply mahrko 26. Oktober 2020 at 20:22:11

      Danke. Kennst du in Hessen auch jemand? Im Rheingau fehlen auch noch 2-3.. 🥰

      • Reply Michael 27. Oktober 2020 at 08:18:04

        Und ob – du meinst, den soll ich sagen, daß sie welche aufstellen? Apropos: die hessischen Kurorte haben die alten Kurliegen für die Luftkur modernisiert und aufgestellt – die sehen fast genauso aus 🙂 Die sind aber selten für die Wanderwege zuständig. Da muss ich wohl an die Destinationen ran. In Nordhessen bin ich eh grad öfter.

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