Eisenbahnreise Fotografie 18. November 2020

Auf den Spuren der Aartalbahn im Wiesbadener Stadtgebiet

Kurz nach dem Bahnhof Wiesbaden Waldstraße beginnt einer der zweigleisigen Abschnitte.

In Wiesbaden und Umgebung werden gerade die Rufe die Aartalbahn von Wiesbaden über Taunusstein nach Bad Schwalbach als gewöhnliche Eisenbahnstrecke zu reaktivieren wieder lauter. Ich nahm die auflebende Diskussion zum Anlass mich mal auf die Spuren der alten Eisenbahnstrecke im Wiesbadener Stadtgebiet zu machen.

Was mir bei meinen Fotos ganz wichtig ist: über den Abschnitt der Aartalbahn, auf dem ich unterwegs war, fuhr seit vielen Jahren kein Zug mehr. Nur mit diesem Wissen habe ich dort fotografiert. Von einer Nachahmung auf nicht stillgelegten Strecken bzw. auf Strecken mit aktivem Betrieb kann ich nur dringendst abraten! Das Betreten von Gleisen ist zudem auch verboten.

Die Reaktivierung als Eisenbahnstrecke wäre quasi der Plan B nachdem die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Wiesbaden in einem Bürgerentscheid die Abstimmung über den Neubau einer Straßenbahn auf der Strecke leider mehrheitlich abgelehnt haben. Insbesondere im Taunus sucht man dringend nach einer neuen Lösung zur besseren ÖPNV-Anbindung der wachsenden Städte an die „große weite Welt“.

Der ehemalige Bahnhof Wiesbaden-Landesdenkmal.
Der ehemalige Bahnhof Wiesbaden-Landesdenkmal.

Ende des 19. Jahrhunderts: die Entstehungszeit der Strecke

Die Strecke der Aartalbahn führte ab dem Jahr 1889 von der Weltkurstadt Wiesbaden, wie sich die Stadt damals nannte oder nennen durfte, über Dotzheim und die Eiserne Hand auf dem Taunuskamm nach Hahn-Wehen und Bleidenstadt – heute bekannt als Taunusstein -und weiter in die Kurstadt Bad Schwalbach. Ab dort führte die Bahnstrecke von 1894 an über Hohenstein bis nach Zollhaus. Bis zum dortigen Bahnhof lagen bereits seit dem Jahr 1870 Gleise aus Richtung Norden von Diez in der Nähe von Limburg. Heute hat die Strecke den Beinamen „Hessens längstes Denkmal“.

Wiesbaden hatte zu der Zeit noch keinen Hauptbahnhof am heutigen Standort, sondern drei eigenständige Kopfbahnhöfe ungefähr am heutigen Standort des RheinMain-Congresszentrums. Dies waren der Taunusbahnhof für die Strecke Richtung Frankfurt und der Ludwigsbahnhof für die Bahnstrecken über Mainz und Worms nach Ludwigsburg sowie der Ländchesbahn über Erbenheim und Niedernhausen nach Limburg. Der dritte Kopfbahnhof war der Rheinbahnhof für die Rechte Rheinstrecke über Biebrich und Rüdesheim nach Koblenz sowie für die Aartalbahn nach Bad Schwalbach. Glaubt man dem Wikipedia-Eintrag, so war der Rheinbahnhof der repräsentativste in der Stadt, dort findet man auch einen Stadtplan aus jener Zeit.

Wiesbaden Hauptbahnhof im Jahr 2020 mit seiner Bahnsteighalle über zehn Gleise.
Wiesbaden Hauptbahnhof im Jahr 2020 mit seiner Bahnsteighalle über 10 bzw. 11 Gleise.

Vom Endpunkt der Strecke in Wiesbaden führte die Strecke die ersten sieben Betriebsjahre über den heutigen Ersten Ring, durch die Niederwaldstraße und in der Verlängerung durch die Aßmannshäuser Straße zum Bahnhof in Dotzheim. Von dieser anfänglichen Streckenvariante gibt es meines Wissens außer den Straßenverläufen entlang der ehemaligen Trassen keine sichtbaren Überreste mehr.

Im Jahr 1906 wurde in Wiesbaden dann der neue kaisertaugliche „Centralbahnhof“ eröffnet. Wir alle kennen ihn heute unter dem Namen „Hauptbahnhof“. Bereits zwei Jahre zuvor führte die Strecke der Aartalbahn auch nicht mehr durch die Niederwaldstraße, sondern erhielt einen größeren Bogen und führte fortan über die Bahnhöfe Landesdenkmal und Waldstraße nach Dotzheim. Auf diesem Abschnitt war ich unterwegs. In der nachfolgenden Karte von 1925 habe ich die Aartalbahn rot hervorgehoben.

Der Verlauf der Aartalbahn im Wiesbadener Stadtgebiet (CC BY-NC-SA 4.0 | Karte von 1925 | Geoportal Stadt Wiesbaden)
Der Verlauf der Aartalbahn im Wiesbadener Stadtgebiet (CC BY-NC-SA 4.0 | Karte von 1925 | Geoportal Stadt Wiesbaden)

Entlang der ehemaligen Strecke durch das Stadtgebiet

Bis zur Stilllegung der Strecke um das Jahr 1983 besaß der Hauptbahnhof elf Gleise in der Bahnsteigshalle. Danach wurde Gleis 11 nicht mehr gebraucht und es wurde ausgebaut. Heute findet man dort Fahrradstellplätze, eine Radwerkstadt, eine DHL-Packstation und leider ziemlich viel Taubenscheiße.

Das Gleis für die Aartalbahn war das westlichste im Hauptbahnhof. Logisch, denn die Strecke zweigte ja auch schon nach wenigen Meter im Gleisvorfeld Richtung Westen ab. Die ehemalige Trasse verläuft hier heute mitten durch eine Schrebergärtenanlage und eine kleine Waldfläche. Auf neueren Luftbildern sieht man kaum noch was von der Strecke. Und so richtig zugänglich ist dieser Abschnitt durch die umzäunten Gärtchen auch nicht.

Eisenbahnbrücke der Aartalbahn über den Zweiten Ring.
Eisenbahnbrücke der Aartalbahn über den Zweiten Ring.

Das erste Mal richtig sichtbar wird die Strecke erst an der Eisenbahnbrücke über den Zweiten Ring. Weil dort aber schätzungsweise 35-40 Jahre kein Zug mehr fuhr, wachsen auf der Brücke inzwischen Sträucher und kleinere Bäume.

Zugewucherter Streckenabschnitt von einer Brücke aus gesehen.
Zugewucherter Streckenabschnitt von einer Brücke aus gesehen.

Über die Straße „An der Kupferlache“ und den Fußweg in ihrer Verlängerung kann man der Strecke dann für einige hundert Meter gut folgen. An der Drususstraße gibt es außerdem eine Fußgängerbrücke über die Trasse. Hier sieht man gut, dass die Strecke auf diesem Abschnitt fast vollständig zugewuchert ist.

Verzweigung am Bahnhof Landesdenkmal

Besser zugänglich ist der Bahnhof Landesdenkmal. Betrieblich gesehen war dieser allerdings immer nur ein Haltepunkt. An diesen erinnert heute nur noch der Name der Kita „Kleiner Bahnhof“. Recht gut erkennen kann man noch den Bahnsteig, obwohl der Personenverkehr hier schon 1960 eingestellt wurde. Außerdem fallen spätestens hier weitere Gleise auf. In diesem Bereich verzweigte die Strecke von Dotzheim kommend früher nämlich in einen Ast Richtung Hauptbahnhof und einen Richtung Bahnhof Curve, welcher heute Wiesbaden Ost heißt. Den letztgenannten Abschnitt der Strecke nahmen meines Wissens nur Güterzüge, denn die Personenzüge verkehrten alle zum Hauptbahnhof. So verwundert es nicht, dass das Gleis Richtung Bahnhof Curve auch keinen Bahnsteig besaß.

Auf dem Bahnsteig am Bahnhof Wiesbaden Landesdenkmal. Rechts dient ein alter ausrangierter Eisenbahnwaggon (Preußischer Vierachser) als XXL-Gartenhaus.
Auf dem Bahnsteig am Bahnhof Wiesbaden Landesdenkmal. Rechts dient ein alter ausrangierter Eisenbahnwaggon (Preußischer Vierachser) als XXL-Gartenhaus.

Unter der Biebricher Allee hindurch führten drei Gleise. Da die zu unterquerende Straße an dieser Stelle so breit ist, ähnelt die Unterführung mehr einem Tunnel mit drei Röhren. Je eine Röhre gehörte den beiden Streckenästen, die dritte und südlichste Röhre führte direkt aufs Werksgelände der Sektkellerei Henkell. Weichen zwischen den Strecken findet man erst auf der westlichen Seite der Biebricher Allee.

Blick auf die Tunneldurchstiche unter der Biebricher Allee hindurch.
Blick auf die Tunneldurchstiche unter der Biebricher Allee hindurch.

Auf dieser Seite der Brücke findet sich dafür recht viele Weichen. Auf einem kurzen Abschnitt war die Strecke hier mit den Auszugsgleisen für Güterzüge sogar viergleisig. Direkt neben der Strecke wurden hier in den 80er-Jahren einige Tennisplätze angelegt.

Südlich der oben gewähnten Fußgängerbrücke, kann man aber einen Blick auf das Werksgelände von Henkell werfen. Heute verlaufen dort nur noch zwei Ladegleise. Auf alten Luftbildern kann man aber sieben oder acht Gleise erkennen. Ehemals führten sie direkt in eine große Lagerhalle. Benutzt wird davon aber heute kein einziges mehr. Zwischen 2007 und 2014 erlebte die Bahnanbindung des Werks nochmals eine kurze Renaissance, seither ist aber Feierabend.

Ein Überbleibsel an den Gütergleisen am Bahnhof Landesdenkmal.
Ein Überbleibsel an den Gütergleisen am Bahnhof Landesdenkmal.
Die dritte Röhre führt direkt aufs Werksgelände der Sektkellerei Henkell.
Die dritte Röhre führt direkt aufs Werksgelände der Sektkellerei Henkell.
Ein Blick auf das Werksgelände bei Henkell.
Ein Blick auf das Werksgelände bei Henkell.

Streckenast vom Bahnhof Landesdenkmal zum Bahnhof Curve

Dem südlichen Ast Richtung Bahnhof Curve kann man nicht wirklich folgen. Auch dieser ist komplett zugewuchert. Da dem Abschnitt hier auch kein Weg direkt folgt, bleibt einem nichts anderes übrig, als einen kleinen Umweg westlich des Biebricher Friedhofs zu nehmen. Entlang der Hüglerstraße kann man der Trasse dann wieder einige Meter folgen. So gelangt man zur Kronberger Straße, wo von der Aartalbahn die Streckengleise der Rechten Rheinstrecke überquert werden. Hier sei noch einmal daran erinnert, dass untere Strecke von der Rheingau-Linie alle 30 Minuten befahren wird und man sich von den Gleisen auch ohne Absperrung fernhält.

Die Brücke über die Rechte Rheinstrecke. Bitte Abstand halten zur viel befahrenden Strecke!
Die Brücke über die Rechte Rheinstrecke. Bitte Abstand halten zur viel befahrenden Strecke!

Letztmalig größer in Erscheinung tritt das Gleis der Aartalbahn dann an der Eisenbahnbrücke, die über die Straße an der Ecke Mainzer und Kasteler Straße führt. Wer in dieser Ecke schon einmal mit dem 6er-Bus lang gefahren ist, dem wird aufgefallen sein, dass es dort in der Nähe nachts gern mal rosa leuchtet. Nicht die schönste Ecke Wiesbadens.

Nicht mit all den anderen Bahnbrücken an der Stelle verwechseln. Die Bogenbrücke gehört zur Aartalbahn.
Nicht mit all den anderen Bahnbrücken an der Stelle verwechseln. Die Bogenbrücke gehört zur Aartalbahn.

Am nördlichen Bahnsteigende von Gleis 3 & 4 in Wiesbaden Ost sieht man, wie die Aartalbahnstrecke auf die Hauptstrecke einfädelt. Wie am Landeshaus wird dieser Bahnhof bahnsteiglos passiert. Diese Anbindung diente ja ausschließlich Güterzügen, zum Beispiel zum Güterbahnhof West oder zur Sektkellerei Henkell.

Auf dem Bahnsteig in Wiesbaden Ost: links die Gleise nach Biebrich, rechts die zum Hauptbahnhof. Genau dazwischen die Einmündung der Aartalbahn.
Auf dem Bahnsteig in Wiesbaden Ost: links die Gleise nach Biebrich, rechts die zum Hauptbahnhof. Genau dazwischen die Einmündung der Aartalbahn.

Vom Landesdenkmal zum Güterbahnhof Wiesbaden West

Wir machen nun einen kleinen Sprung und setzen unsere Streckenbereisung an den Tennisplätzen westlich der Biebricher Allee fort. Die Strecke führte ab hier zweigleisig weiter fast bis zum Bahnhof Waldstraße. Über die Zweigleisigkeit an der Stelle kann ich nur spekulieren, wahrscheinlich wurde sie benötigt um zusätzlich zu den Zügen nach Bad Schwalbach den Hauptgüterbahnhof ordentlich anbinden zu können.

Kurz nach dem Bahnhof Wiesbaden Waldstraße beginnt einer der zweigleisigen Abschnitte.
Kurz nach dem Bahnhof Wiesbaden Waldstraße beginnt einer der zweigleisigen Abschnitte.

Zwischen dem Bahnhof Waldstraße und dem Güterbahnhof verläuft die Strecke auf einem Bahndamm und überquert auf vier Brücken vier Querstraßen. Eine davon ist die Schiersteiner Straße, die an dieser Stelle in die Autobahn übergeht. Die Brücke am Ortsschild von Wiesbaden hat sicher jeder schon einmal wahrgenommen. Meist hat man durch den stockenden Verkehr an der Stelle ja auch genug Zeit sie in Ruhe anzuschauen.

Eisenbahnbrücke über die Schiersteiner Straße in Wiesbaden.
Eisenbahnbrücke über die Schiersteiner Straße in Wiesbaden.
Oben auf der Eisenbahnbrücke über die Schiersteiner Straße.
Oben auf der Eisenbahnbrücke über die Schiersteiner Straße.

Auf dem Abschnitt am Bahnhof Waldstraße ist die Strecke etwa 400 Meter lang eingleisig, danach wird sie nochmals zweigleisig. Bis auf die Brücke über den Grundmühlweg sind alle anderen zweigleisig angelegt. Auf diesem Abschnitt sieht man auf dem Luftbild gut, dass eins der beiden Gleise schon deutlich länger ohne Verkehr gewesen sein muss. Teilweise ist das zweite Gleis auch schon demontiert.

Kurz nach der Brücke über die Schiersteiner Straße wechselte das Streckengleis vom Hauptbahnhof vom nördlichen auf das südliche Gleis. Das nördliche Gleis (rechts auf dem nachfolgenden Foto) endet inzwischen am einem Prellbock. Bis zum Jahr 2008 führte es noch Richtung Güterbahnhof. Zwischen 2009 und 2011 wurde es demontiert und zwischen 2011 und 2014 schließlich in einem kurzen Abschnitt sogar überbaut. Diese Infos erhält man, wenn man die verschiedenen Luftbilder im Geoportal der Stadt Wiesbaden miteinander vergleicht. Das Portal habe ich euch am Ende des Artikels verlinkt.

Kurz hinter der Brücke: Ende des zweiten Gleises.
Kurz hinter der Brücke: Ende des zweiten Gleises.
Das zweite Streckengleis wurde hier zwischen 2011 und 2014 demontiert und überbaut.
Das zweite Streckengleis (rechts) wurde hier zwischen 2011 und 2014 demontiert und überbaut.

Ehemaliger Hauptgüterbahnhof Wiesbaden

Vom großen Güterbahnhof in Wiesbadens Westen findet man leider auch so gut wie keine Spuren mehr. Dieser wurde Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt, um den Staub, Lärm und Dreck vom Hauptbahnhof und Kurviertel wegzubekommen. Auf alten Luftbildern erkennt man, dass er rund ein duzend parallel verlaufener Ladegleise besaß. Dazu kamen nochmals vier Gleise, die in größere Hallen führten. Ab den 1960er-Jahren ging der Verkehr immer weiter zurück, sodass der Bahnhof Ende des 20. Jahrhunderts komplett aufgegeben wurde.

Heute ist der Hauptgüterbahnhof mit einem Wohnviertel, dem Künstlerviertel, überbaut. Früher erstreckte er sich vom Kreisverkehr bis zur Straße “Im Rad”. Einziges Überbleibsel sind einige Meter Gleise und das Schrankenwärterhäuschen, in dem heute ein Jugendtreff untergebracht ist. Dieses findet man unweit des Kreisverkehrs an der „Ecke“ Waldstraße und Holzstraße. Vor einigen Wochen muss es ein bisschen erweitert worden sein. Den Anbau gab es früher nicht.

Das ehemalige Schrankenwärterhäuschen am Güterbahnhof.
Das ehemalige Schrankenwärterhäuschen am Güterbahnhof.

Beim Fotografieren ist mir hier nochmal etwas merkwürdigen aufgefallen. Auf der Trasse, auf der ich stehe, führten bis 2005 ungefähr die Gleise Richtung Aartalbahn. Links oben auf der Böschung verlief aber noch ein zweites Gleis. Um auf dieses zu kommen, musste man zunächst in den Güterbahnhof einfahren und dann zurücksetzen.

Die Anbindung des ehemaligen Güterbahnhofs. Blick Richtung Aartalbahn.
Die Anbindung des ehemaligen Güterbahnhofs. Blick Richtung Aartalbahn.

Ich vermute, dass hier einst ein kleiner Abrollberg angelegt wurde, denn das kurze Gleis und die Böschung, die dann im nichts endet, findet sich auf allen alten Karten und Luftbildern. Online konnte ich noch nichts dazu finden. In den Kommentaren in einer Wiesbadener Facebook-Gruppe wurde mir aber inzwischen erklärt, dass es sich um ein Ziehgleis handelte, welches benötigt wurde um Züge abseits des Streckengleises zusammenstellen zu können.

Letzte Gleisreste am ehemaligen Güterbahnhof.
Letzte Gleisreste am ehemaligen Güterbahnhof.

Außerdem hat es an dieser Stelle früher einmal ein Anbindungsgleis zur dortigen Kaserne gegeben. Bis 1945 war dies eine Kaserne der Deutschen, danach war dort die US-Kaserne Lindsey Air Station beheimatet. Wann genau das Gleis stillgelegt wurde, konnte ich nicht rausfinden. Auf Kasernenplänen aus den 70er-Jahren war es schon nicht mehr verzeichnet, auf einem Luftbild von 1980 liegt es noch, war aber ziemlich zugeparkt. Etwas umständlich erscheint mir auch, dass man auf das Gleis der Kaserne nur über eine (zweite) Stichfahrt auf den Abrollberg kam.

Heute findet man dort keine Kaserne und kein Güterbahnhof mehr, sondern das Europaviertel mit vielen neuen Wohnungen und einigen Gebäuden der Hessischen Polizei und des Bundeskriminalamtes. Durch den Zaun konnte ich noch die alte Lagerhalle entdecken, an der das alte Kasernen-Ladegleis einst entlang führte.

Einst führte hier einmal ein Ladegleis entlang auf dem Kasernengelände.
Einst führte hier einmal ein Ladegleis entlang auf dem Kasernengelände.

Die Strecke der Aartalbahn führt westlich des ehemaligen Güterbahnhofs weiter Richtung Dotzheim. Dieser Abschnitt ist eingleisig und ist nur nördlich des Gleises bebaut. Am ehemaligen Bahnübergang des Straßenmühlweg tritt die Strecke nochmal kurz in Erscheinung.

Der Bahnübergang am Straßenmühlweg.
Der Bahnübergang am Straßenmühlweg.

Auf diesem Abschnitt passiert man die Wiesbadener Justizvollzugsanstalt auf voller Länge. Südlich der Strecke findet man viele Schrebergärten und einige Obstwiesen.

Direkt an der hohen Gefängnismauer entlang führt die Strecke weiter Richtung Dotzheim.
Direkt an der hohen Gefängnismauer entlang führt die Strecke weiter Richtung Dotzheim.

Bahnhof Dotzheim

Um die autobahnähnlich ausgebaute Straße nach Dotzheim zu überqueren, schwenkt die Aartalbahn bei Kilometer 5,8 etwas nach Norden. Parallel zur Eisenbahnbrücke führt noch ein Wirtschaftsweg über die Straße. Dieser folgt der Strecke bis zum Bahnübergang am Dotzheimer Bahnhof.

Kurz vor Dotzheim wird die Dotzheimer Straße überquert.
Kurz vor dem Bahnhof Dotzheim wird die Verlängerung der Dotzheimer Straße überquert.

Hier am Bahnhof Dotzheim haben die Museumseisenbahnfreunde „Nassauische Touristikbahn e.V.“ ihren Betriebssitz. Leider ist die Strecke nach Norden Richtung Taunusstein seit einigen Jahren aufgrund einer beschädigten Brücke über die Flachstraße gesperrt, sodass aktuell kein Museumsbetrieb möglich ist. Zuletzt rollten auf der Strecke im Sommer 2019 Dräsinen anlässlich des Biebricher Höfefests.

Fälschlicherweise mutmaßte ich hier zuvor, dass die Brücke über die Schiersteiner Brücke ebenfalls gesperrt sei. Die Gleissperre kurz vor der Brücke dient aber nur dazu, „entlaufene“ Waggons aufzuhalten. Mit dem Brückenbauwerk selbst hat sie nichts zu tun.

Bahnhof Dotzheim mit Bahnübergang und Bahngelände der Museumsbahn.
Bahnhof Dotzheim mit Bahnübergang und Bahngelände der Museumsbahn.

Weil es in der Vergangenheit viel Vandalismus gegeben hat, ist das Bahnhofgelände eingezäunt, sodass man leider keine guten Fotos machen kann. Nach dem Bahnhof mit seinen fünf Gleisen schlängelt sich die Strecke eingleisig und recht kurvenreich zwischen den Stadtteilen Kohlheck und Klarenthal hindurch und verlässt kurz darauf das bebaute Stadtgebiet. Autofahrern begegnet die Strecke dann am Chauseehaus nochmal, dort muss am Bahnübergang die stillgelegte inaktive Strecke überquert werden. Wenn ihr euch über das durchgestrichene Wörtchen gewundert hab: stillgelegt im eisenbahnrechtlichen Sinn wurde die Strecke nie. Er fährt halt Stand November 2020 nur keine Eisenbahn darüber.

Vielleicht schreibe ich über Teil der Strecke bis Bad Schwalbach noch einen zweiten Blogpost. Wenn euch der Blogpost gefallen hat oder ihr weitere Anmerkungen habt, schreibt es mir gerne in den Kommentarbereich ganz am Ende des Artikels.

Dampflok 50 3576 im Bahnhof Dotzheim steht schon viele Jahre still.
Dampflok 50 3576 im Bahnhof Dotzheim steht schon viele Jahre still.
Im Bahnhof Dotzheim blieb die Zeit ansonsten ebenfalls stehen.
Im Bahnhof Dotzheim blieb die Zeit ansonsten ebenfalls stehen.

Abschließend nochmal der Hinweis: Was mir bei meinen Fotos ganz wichtig ist: über den Abschnitt der Aartalbahn, an dem ich unterwegs war, fuhr seit vielen Jahren kein Zug mehr. Nur mit diesem Wissen habe ich dort fotografiert. Von einer Nachahmung auf nicht stillgelegten Strecken bzw. auf Strecken mit aktivem Betrieb kann ich nur dringendst abraten! Das Betreten von Gleisen ist zudem auch verboten.

Weiterführende Informationen rund um die Strecke

Weitere Seiten mit Fotos von früher

Geoportal der Landeshauptstadt Wiesbaden

Fast überall auf den Abschnitten der Aartalbahn waren die Schwellen aus Metall. Alle ca. 25 Schwellen folgte eine Doppelschwelle.

Eine Doppelschwelle auf der Aartalbahn.
Eine Doppelschwelle auf der Aartalbahn.
Der Abschnitt zwischen Schiersteiner Straße und Güterbahnhof.
Der Abschnitt zwischen Schiersteiner Straße und Güterbahnhof.

Wenn jemand was über die Schienen mit ca. 600 Millimeter Spurweite am Dotzheimer Bahnhof weiß. Auch gerne in die Kommentare mit der Information.

Anschlussgleise einer Kleinbahn am Bahnhof Dotzheim.
Anschlussgleise einer Kleinbahn am Bahnhof Dotzheim.

Dieser Artikel wurde am 18. November 2020 um 20:00 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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11 Kommentare

  • Reply Randolph 19. November 2020 at 09:16:19

    Du fauler 🐶 Hund!

    Wann kommen die weiteren Abschnitte, außerhalb Wiesbadens?

    ;o)))

    Aber Kompliment! Ein schöner Blog, wuerde mich anbieten, ggf. beim „Erweitern“ zu helfen.

    Schöne Grüße + weiter so!

    R.R.

  • Reply Klaus Euteneuer 19. November 2020 at 10:44:56

    Informativer Beitrag, interessante Fotos. Ich erlaube mir, einmal zu unken: Wenn die Wiederinbetriebnahme der Aartalbahn als Plan B nach dem bedauerlichen Aus der Citybahn gilt, bin ich auf die Reaktion in Wiesbaden gespannt, wenn der Plan Gestalt annimmt.

  • Reply Klaus 19. November 2020 at 10:55:39

    Tolle Reportage. Erinnere mich gerne an die Dampfzugfahrten. Schade dass das nicht mehr geht. Grüße

  • Reply Bernhard 19. November 2020 at 11:05:26

    Danke für die vielen Fotos, Einsichten, Details. Ich stand sooo oft auf der kleinen Brücke Rittershausstraße / Parsifalstraße und habe mittagspausenlang träumend auf die Gleise geschaut. Jetzt weiß ich mehr über ein paar Hintergrunde.

  • Reply Nina Picasso 19. November 2020 at 11:06:08

    Richtig tolle Fotostory. Die Herbststimmung unterstreicht die Fotos der stillgelegten Strecke. Hat mir richtig Spaß gemacht, das zu lesen!
    Ohne Twitter hätte ich übrigens nie von diesem Blog erfahren😀
    Nina P.

  • Reply Fabian Mitter 19. November 2020 at 11:20:16

    Hier auch noch Mal für die seltene Art der Nicht-Twitterer: Vielen Dank für diese wunderbare Spurensuche 👍🏻😃 Ich wohne nun seit einem guten Jahr in Wiesbaden und konnte noch einiges über die Stadt lernen – auch abseits der Schiene 😂 Auf jeden Fall interessant zu sehen, was es früher in der Stadt alles gab

  • Reply Peter Exel 19. November 2020 at 14:08:28

    Ich bin wohl einer der seltenen Spezies die kein Twitter benutzen.😉
    Ich bin über FB auf diesen Bericht aufmerksam geworden. Danke für den schönen Bericht mit den vielen (Hintergrund-)Informationen. Ich würde mich sehr über einen zweiten Teil freuen und warte schon gespannt darauf.
    Peter E.

  • Reply Rudolf B 19. November 2020 at 14:21:11

    Vielen Dank für die tollen Eindrücke über die alte Bahnstrecke.
    Einiges habe ich schon gesehen, die meisten Stellen kannte ich nicht.
    Über den 2ten Teil von Dotzheim nach Bad Schwalbach kann
    ich Dich nur dazu ermutigen 👍.
    Viele Grüsse
    Rudolf B

  • Reply Stefan Weber 19. November 2020 at 14:25:46

    Super Artikel und sehr informativ. Bin auf die nächsten Streckenstücke gespannt. #
    Hoffentlich hat die Strecke bald wieder SPNV.

  • Reply @Euro_Nighter 19. November 2020 at 14:37:23

    Danke für den ausführlichen Blog zur Aartalbahn in Wiesbaden.
    Anfang September war ich auf einem kleinen Stück im Aartal bei Burg Hohenstein unterwegs.
    Wie bei Dir:
    Zugewachsen und im weiteren Verlauf in Reckenroth eine fehlende Brücke!

  • Reply Helga Glöde 20. November 2020 at 09:51:12

    Vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht und die tollen Bilder. Ich bin als Kind noch mit der Aartalbahn zum Schlitten fahren auf die Eiserne Hand gefahren, habe als Kind am Bahnhof Waldstraße auf den Gleisen und am Bahnhof gespielt.
    Grade die letzten Tage haben mein Mann und ich über google die Streckenführung gesucht, er wollte wissen, wo es nach dem Bahnhof Waldstraße weiter ging in Richtung Hauptbahnhof.
    Über einen zweiten Teil oder Dritten in Richtung Zollhaus würde ich mich sehr freuen, schon lange wollen wir da mal wandern gehen. Den hinteren Teil kenne ich nur vom Auto aus.

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