Wanderung 14. Februar 2021

Via Mattiacorum – eine Winterwanderung auf Spuren der Römer

Am Rande von Neuhof waren außer mir auch ein paar Fußgänger in der Wintersonne unterwegs.

Wer sagt eigentlich, dass man im Winter nicht Wandern gehen kann? Eisige Temperaturen halten mich jedenfalls nicht davon ab. Gestern war nach langen grauen Wochen auch endlich mal wieder ein sonniger Tag. Da hielt es mich natürlich nicht drinnen.

Neben dem Rheinsteig endet beziehungsweise beginnt noch ein zweiter mit Prädikat ausgezeichneter Wanderweg in Wiesbaden – die Via Mattiacorum. Dieser Wanderweg auf den Spuren der Römer ist ca. 29 Kilometer lang, startet in Idstein und eigentlich in zwei Etappen aufgeteilt. Aber ich hatte Lust dazu und so bin ich die ganze Strecke einfach an einem Tag marschiert. Mattiacorum ist übrigens der Namen der römischen Siedlung, die einst einmal auf heutigem Wiesbadener Stadtgebiet stand.

So schön sauber werden meine Wanderschuhe wohl nie wieder aussehen.
So schön sauber werden meine Wanderschuhe wohl nie wieder aussehen.

Wie die letzten Male hatte ich wieder meine Kamera dabei. Neu mit dabei waren meine neuen Wanderschuhe. Die alten muss ich nach rund 2.000 Kilometern so langsam mal ausrangieren. Weil ich die Schuhe so liebe, habe ich einfach nochmal genau das selbe Modell von LOWA gekauft. Dazu kam noch meine Thermohose, vier Schichten Kleidung am Oberkörper, eine warme Mütze, Halstuch und Handschuhe sowie ein ordentliches Vesper und zwei Thermoskannen heißer Tee.

Man muss nur warm angezogen sein, dann steht einer 7-stündigen Wanderung im Winter nichts entgegen.
Man muss nur warm angezogen sein, dann steht einer 7-stündigen Wanderung im Winter nichts entgegen.

Zu Beginn der Via Mattiacorum durchquert man nach Idstein mit Oberauroff und Ehrenbach zwei schmucke kleine Dörfchen. Neuhof lässt man links liegen und mit Wehen durchquert man dann noch eine größere Ortschaft. Ab hier hätte man die Rückreise nach Wiesbaden auch mit dem Bus antreten können. Aber ich wollt ja die ganze Strecke auf einmal wandern.

Was ich ebenfalls ausgelassen hab, das ist das hübsche mittelalterliche Altstädtchen von Idstein. Das sollte man eigentlich nicht tun. Die Altstadt von Idstein liegt rund einen Kilometer östlich des Bahnhofs.

Top Beschilderung der Via Mattiacorum.
Top Beschilderung der Via Mattiacorum.

Die ersten Kilometer

Den ersten Kilometer legte ich morgens um 8 Uhr in Wiesbaden auf dem Weg zum Hauptbahnhof zurück. Gestern nutzte ich nach sehr langer Zeit mal wieder einen Zug. Morgens um halb 9 war der auch schön leer. Ein paar Minuten nach 9 Uhr kam ich dann in Idstein und konnte meine Tour starten. Die Via Mattiacorum startet dort direkt am Bahnhof, einfach den Ausgang Richtung „Idstein-West“ nehmen und nach der Unterführung rechts halten.

Im Großen und Ganzen war der Weg gut beschildert. Eine zusätzliche Karte der Route kann aber nicht schaden, an einigen Punkten fehlte mir die Eindeutigkeit der Beschilderung, da half dann ein Blick auf meine Route im Smartphone. Mag sein, dass in den wenigen Ortschaften, die man passiert, gerade auch einige Wegmarkierungen mit den blöden Wahlplakaten zur Kommunalwahl überdeckt sind.

Immer der Sonne hinterher zwischen Oberauroff und Ehrenbach.
Immer der Sonne hinterher zwischen Oberauroff und Ehrenbach.

Sobald man nach etwa einer Viertelstunde Idstein und die laute A3 hinter sich gelassen hat, kann man Ruhe tanken. Die ersten 10 Kilometer bis zum Kastell Zugmantel bin ich nahezu keiner Menschenseele begegnet. Am Kastell mit dem wiederaufgebauten Römerturm und den kleinen Limes-Rundwegen durch den Wald traf ich dann auch die ersten paar Menschen.

Der wunderschön rekonstruierte Wachturm des Kastell Zugmantel.
Der wunderschön rekonstruierte Wachturm des Kastell Zugmantel.

Leider war der wiederaufgebaute Wachturm und das kurze Stück Zaun auch das einzig sichtbare Überbleibsel der Römer auf meiner Strecke. Vielleicht hätte man ohne Schnee noch ein paar andere Überreste im Boden gesehen. Aber dies tat meiner Freude am Weg keinen Abbruch. Für mich stand ohnehin die Natur im Vordergrund. Und davon gibt es unterwegs links und rechts des Weges mehr als genug.

Zum Glück war der Untergrund noch durchgefroren, sonst wäre es matschig geworden.
Zum Glück war der Untergrund noch durchgefroren, sonst wäre es matschig geworden.

Rund um Taunusstein

Kurz unterhalb des Kastell Zugmantel folgt die Aarquelle, hier soll vor knapp 2.000 Jahren mal ein Thermalbad gestanden haben. Heute ist nur noch die Quelle übrig. Von der Quelle schlängelt sich die Aar dann ca. 50 Kilometer talwärts bis Diez, wo sie in die Lahn mündet. Von Wehen über Bad Schwalbach folgte ihr einst die Aartalbahn bis Diez. Über den Abschnitt bis Bad Schwalbach habe ich schon gebloggt. Könnt ihr gerne nachlesen und die letztliche Strecke will ich auch noch erkunden.

Wenn die eisige Kälte sogar kleine Gräben entlang des Weges zu Fotomotiven macht...
Wenn die eisige Kälte sogar kleine Gräben entlang des Weges zu Fotomotiven macht…

Auf der Via Mattiacorum läuft man häufig auf angenehmen Pfaden durch den Wald oder entlang der Wälder. Bei mir war der Boden komplett gefroren, so dass meine neuen Schuhe eigentlich sehr sauber blieben. Bei wenigen Grad mehr und aufgetautem, sehr feuchtem Boden hätte das sicher anders ausgesehen.

Vom Taunusrücken runter nach Wiesbaden

Nachdem man Wehen durchquert hat, führt der Weg wieder mehrere Kilometer lang sanft bergauf. Es gilt den Taunusrücken zu überqueren. Die Via Mattiacorum hat sich dazu den Übergang an der Platte mit dem Jagdschloss ausgesucht. Wer nicht mehr kann, hat hier auch nochmal die Chance in den Bus Richtung Wiesbaden zu steigen.

Oben angekommen am Jagdschloss Platte. Immer noch Sonne satt!
Oben angekommen am Jagdschloss Platte. Immer noch Sonne satt!

Danach geht es aber eigentlich nur noch bergab. Von 450 Höhenmetern geht es nun die nächsten gut 5 Kilometer runter auf rund 190 Höhenmeter. Wer auf eine Karte schaut, der sieht, dass sich der ausgeschilderte Weg nicht auf direktem Wege Richtung Tal macht. Ganz am Ende habe ich meinen Track von komoot eingehängt, dort könnt ihr es sehen.

Vielmehr schlängelt er sich noch ein wenig an den Ausläufern des Taunusrücken entlang. Etwa die Hälfte des Weges verläuft als neu angelegter Pfad mitten durch den Wald. Die andere Hälfte führt über Forstwege. Aber auch dort, war manchmal Geschick gefragt…

Der ein oder andere Bach sorgte für eine kleine Rutschpartie auf dem Weg.
Der ein oder andere Bach sorgte für eine kleine Rutschpartie auf dem Weg.

Für eine besonders schöne Stelle hat der strenge Winter der letzten Tage gesorgt. Die an einigen Stellen aus dem Waldboden tretenden Quellen sorgten für einen Eispanzer auf dem Weg. Zusammen mit der Nachmittagssonne sorgten die Eisformationen für schöne Fotomotive.

Im Wald runter Richtung Wiesbaden wieder wunderbare Eisformationen.
Im Wald runter Richtung Wiesbaden wieder wunderbare Eisformationen.

Weil wie jedes Mal nicht alle Bilder im Blogpost Platz gefunden habe, verlinke ich euch hier noch mein Fotoalbum mit vielen weiteren Fotos der Tour.

Am späten Nachmittag stand die Sonne schon wieder sehr tief. Gut, dass ich es nicht mehr weit hatte.
Am späten Nachmittag stand die Sonne schon wieder sehr tief. Gut, dass ich es nicht mehr weit hatte.

Für etwas Abwechslung sorgt das Naturschutzgebiet Rabengrund. Nach viel Wald auf den letzten Kilometern, durchquert man dort nochmal eine große Lichtung. Spätestens ab dort merkt man an einem schönen Tag dann auch, dass man sich der Landeshauptstadt nähert, denn hier ist man nicht mehr ganz so einsam unterwegs. Man folgt dem Pfad über die Wiese bis man ganz unten am Schwarzbach angekommen ist.

Vor der Toren Wiesbadens findet man das Naturschutzgebiet Rabengrund mit der großen Waldlichtung.
Vor der Toren Wiesbadens findet man das Naturschutzgebiet Rabengrund mit der großen Waldlichtung.

Wen nun auf der Zielgeraden schon die Kräfte verlassen haben, der folgt dem Bach einfach bis zur Talstation der Nerobergbahn. In der Sommersaison bringt einen diese dann auf den Neroberg hoch. Wer im Winter läuft, der hat diese Option nicht. Dementsprechend darf man dem Schwarzbach nicht zu lange folgen, sondern muss sich an der Lichtweißhöhe links halten. Ab dort führt der Weg dann von hinten her auf Wiesbadens Hausberg – den Neroberg.

Neroberg-Tempel, Russische Kirche, Freibad, Erlebnismulde, Kletterwald. Auf dem Neroberg gibt es einiges zu erkunden.
Neroberg-Tempel, Russische Kirche, Freibad, Erlebnismulde, Kletterwald. Auf dem Neroberg gibt es einiges zu erkunden.

Von oben hat man einen schönen Blick über die Wiesbadener Innenstadt und auf die goldenen Dächer der Russischen Kapelle. Der Weg nach unten führt dann rechts der Bergstation hinab. Das sind dann eure letzten 90 Höhenmeter auf der Tour.

Der Blick auf die Innenstadt: die rote Kirche ist die Marktkirche am Schlossplatz. Am Horizont der Odenwald.
Der Blick auf die Innenstadt: die rote Kirche ist die Marktkirche am Schlossplatz. Am Horizont der Odenwald.

Unten an der Talstation können die müden Wanderfüße dann entweder bequem in den Bus steigen oder dem Neropark Richtung Innenstadt auch noch mitnehmen. Wer sich für den Bus entscheidet: die Linie 1 fährt in 10 bis 15 Minuten-Takt Richtung Innenstadt und zum Hauptbahnhof. Ich habe noch ein paar Meter zu Fuß drangehängt und bin vollends bis nach Hause gelaufen.

Rund um Wiesbadens Hausberg, den Neroberg.
Rund um Wiesbadens Hausberg, den Neroberg.

Die knapp 33 Kilometer habe ich in rund 7,5 Stunden zurückgelegt. In Bewegung war ich davon ca. 7 Stunden. Bis um 17 Uhr ich zuhause ankam, stand die Sonne schon sehr tief. Alles in allem eine schöne Tour. Laufe ich vielleicht im Sommer nochmal.

Wenn euch die Tour gefallen hat oder euch eine Info fehlt, hinterlasst gerne einen Kommentar.

Nützliche Links:

Meine Wanderung bei komoot


Dieser Artikel wurde am 14. Februar 2021 um 17:44 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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5 Kommentare

  • Reply Stephan Dinges 15. Februar 2021 at 09:36:07

    Sehr schöne Tour! Der Limeswachturm ist definitiv ein Highlight für Fans der Antike. Der Grenzabschnitt ist wirklich gut rekonstruiert. Man weiß heute, die Türme waren höher und weiß verputzt. Das eigentliche Kastell liegt weiter südlich im Wald. Zum Turm gibt es einen direkten und befestigten Verbindungsweg.

    Zwischen Kastell und Wachturm hat es sogar eine kleine Arena gegeben, in der Gladiatorenkämpfe stattfanden. Die Umrisse dieser sind noch zu erkennen. Vom Kastell selbst sind oberirdisch einige Erdwälle sichtbar. Da dort der Borkenkäfer zugeschlagen hat, ist die Fläche nun gut überschaubar. Nicht mehr sichtbar, aber durch Ausgrabungen belegt, sind weitere Gebäude rund um das Kastell.

    In direkter Nähe der Militärstützpunkte siedelten sich auch Händler und Handwerker an. Oft lebten die Familien der Soldaten dort ebenfalls dort. Es ist sehr schade, dass aus dem Standort nicht mehr gemacht wird.

    • Reply mahrko 15. Februar 2021 at 21:18:36

      Hallo Stephan,
      besten Dank für deinen Input und die vielen Details. Wenn ich die Strecke nochmal zu einer wärmeren Zeit laufe, dann sieht man vielleicht auch die Fundament-Reste im Boden besser.

      Liebe Grüße
      Marco

  • Reply Eli 15. Februar 2021 at 15:02:58

    Das ist ja quasi direkt bei mir um die Ecke! Toll, was man in den heimischen Gefilden so alles erleben kann. Die Bilder sind echt klasse und ganz in weißen Schnee gehüllt sieht die Landschaft echt traumhaft aus. Da bekomme ich ja direkt Lust, auch auf den Spuren der Römer zu wandeln.

  • Reply Tom 24. März 2021 at 16:44:49

    Toller Bericht. Habe vor die Wanderung jetzt im April oder Mai zu machen. Bin mal gespannt.

    • Reply mahrko 10. April 2021 at 10:28:53

      Hallo Tom,
      viel Spaß dabei. Sieht im Frühjahr sicher alles nochmal ganz anders aus. Hoffe du findest den Weg trotzdem. 😀

      LG
      Marco

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