Eisenbahnreise 17. August 2018

Tag 12 der Tour Baltica: Schloss Peterhof und mein letzter Tag in St. Petersburg

Nach dem Besichtigungsreinfall am Vortrag im Katharinenpalast, wollte ich einen Tag später auf Nummer sicher gehen. Im Schloss Peterhof sollte mir das Schlangen-Debakel nicht nochmal passieren. Also erkaufte ich mir für verdammte 38 Dollar eine Gruppenzugehörigkeit mit fester Einlasszeit. Ohne Schlangestehen! Das normale Ticket für den Park und das Schloss hätte gerade mal 13 Euro gekostet. Aber sei’s drum….

Die Schlosskirche mit ihren goldenen Kuppeln.

Die Schlosskirche mit ihren goldenen Kuppeln.

Bei GetYourGuide gab’s auch noch andere, noch teurere Tickets. Mit Abholung am Hotel und all so Kram. Aber auf ganz soviel Pauschalurlauberfeeling hatte ich keine Lust. Auch vom Schnellboot zum Schloss Peterhof hielt ich Abstand. Ich wählte erneut eine Zugverbindung mit der Russischen Eisenbahn. Die Fahrzeit nach Nowy Peterhof sollte rund 40 Minuten ab dem Baltischen Bahnhof dauern. Im Fahrkarten kaufen am Automat war ich nun ja auch schon geübt, so ging alles schneller von statten.

Die große Kaskade vom unteren Schlosspark aus gesehen.

Die große Kaskade vom unteren Schlosspark aus gesehen.

Kaum im Zug sitzend twitterte ich noch, dass man mit den Bahnhofssperren beim Zu- und Ausstieg und den zusätzlichen Kontrollen im Zug eigentlich überhaupt nicht Schwarzfahren kann in Russland. Die Fahrkartenkontrolle fünf Minuten später belehrte mich eines besseren. Man konnte doch! Irgendwas war mit meinem Ticket nicht in Ordnung. Aber die Kontrolleurin konnte kein Englisch und ich kein Russisch. Ich dachte, stelle dich ein bisschen dumm, dann wird die schon ein Auge zudrücken. Die gebuchte Strecke hatte ja gepasst. Nur irgendwas mit der Zugnummer nicht.

Diesmal kam ich wieder ins Schlossinnere. Hier die prunkvoll verzierte Treppe zu Beginn des Rundgangs.

Diesmal kam ich wieder ins Schlossinnere. Hier die prunkvoll verzierte Treppe zu Beginn des Rundgangs.

Für einen kurzen Moment hatte ich den Großen Saal fast ganz für mich allein.

Für einen kurzen Moment hatte ich den Großen Saal fast ganz für mich allein.

Hier müsst ihr auf die Flucht achten! Alle Zimmer wie an der Perlenschnur aneinander gereiht.

Hier müsst ihr auf die Flucht achten! Alle Zimmer wie an der Perlenschnur aneinander gereiht.

Aber sie ließ nicht locker, rief mehrere Kollegen herbei. Ein älterer von ihnen konnte Deutsch, Torsten meinte, der wäre vielleicht mal in der DDR stationiert gewesen. Der hat mir dann erklärt, dass bei meinem Ticket für 60 Rubel kein Expresszuschlag für den schnellen Regionalzug mit dabei sei. Ich müsste bitte für 147 Rubel ein neues Ticket kaufen. Da die eindeutig in der Überzahl waren und 147 Rubel ja auch nur 1,90 Euro, hab ich das Ticket halt gekauft. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich noch gefreut, kam ich doch ohne 60€-Strafe wie in Deutschland davon und überaus freundlich waren die russischen Zugbegleiter auch noch. Ganz anders wie die Truppe in der Rhein-Main S-Bahn….

Eins der Arbeitszimmer im Schloss.

Eins der Arbeitszimmer im Schloss.

Als ich bei der Rückfahrt jedoch am Automat rausgefunden hatte, wie man diese Eil-Regionalzüge bucht und dass er eigentlich nur 67 Rubel kostet, da war ich schon ein bisschen verärgert. Wegen 7 Rubel Aufpreis hat die Olle so einen Aufstand gemacht! Das sind fucking 9 Cent, die ich zu wenig bezahlt hatte für ihren seltsamen Eil-Regionalzug. Naja sei’s drum…

Ein kleineres Lustschösschen im unteren Park.

Ein kleineres Lustschösschen im unteren Park.

Zurück zum Schloss! Angekommen am Bahnhof in Nowy Peterhof, musste ich noch rund 2 Kilometer zu Fuß zurücklegen bis zum Eingang des Schlosses. Man hätte auch für ein paar Cent mit dem Bus fahren können, aber ich war sehr früh dran und der Weg führte wie am Vortag wieder durch die ersten Ausläufer des Schlossparks. Durch wunderschöne Alleen ging es also Richtung Schloss Peterhof an der Ostseeküste.

Unsere Begleiterin beim Verteilen der Audioguides.

Unsere Begleiterin beim Verteilen der Audioguides.

Dort angekommen fand ich auch gleich das Café, an dem wir unseren Guide finden sollten. Es war jetzt 9:55 Uhr. Ich hatte die 11:20 Uhr-Führung gebucht. Aber ich hab nachgefragt, ob ich in die Führung um 10:20 Uhr wechseln könne. War kein Problem. Nach verkürzter Wartezeit ging es dann mit einer bunt gemischten Truppe Richtung Gruppeneingang von Schloss Peterhof.

Diesen Saal musste ich mir dann leider wieder mit allen anderen teilen...

Diesen Saal musste ich mir dann leider wieder mit allen anderen teilen…

Wir mussten Überschuhe über die Schuhe ziehen und wurden mit Audioguides ausgestattet. Schick ging es los. Im Schnell-rein-kurz-Verweil-schnell-weiter-Verfahren wurden tausende Touristen die Stunde durch die Räume geschleust. So auch wir. Fotos machen war bis auf in zwei Räumen erlaubt. Einer davon war das Chinesische Zimmer, in dem man auch nicht stehen bleiben durfte. Angeblich wegen der Luftfeuchtigkeit.

Durch diese Tür ging es ins Chinesische Zimmer. So besonders fand ich jetzt gar nicht, aber die Wärterin hat genau drauf geachtet, dass niemand stehenbleibt.

Durch diese Tür ging es ins Chinesische Zimmer. So besonders fand ich jetzt gar nicht, aber die Wärterin hat genau drauf geachtet, dass niemand stehenbleibt.

Die Räume waren ähnlich prunkvoll wie im Winterpalast, aber dass man im Peterhof sein Tempo nicht selbst bestimmen konnte, auch nicht als Einzelreisender, das hat mich ziemlich genervt. Nach 20 Räumen und etwa 55 Minuten war die Führung dann auch schon zu Ende. Nun hieß es nur noch schnell den Audioguide zurückgeben und Schutzschuhe ausziehen. Danach wurden wir wieder in die Einzelgängerfreiheit Richtung Park entlassen.

Eine festlich deckte Tafel. Bei diesem Anblick bekam ich ein bisschen Hunger!

Eine festlich deckte Tafel. Bei diesem Anblick bekam ich ein bisschen Hunger!

Der Park wird bestimmt durch die große Kaskade. Fotos davon habt ihr zu Beginn des Blogposts schon gesehen. Ein gigantischer Springbrunnen direkt vor dem Palast. Aber auch sonst findet man im Park überall Wasserfontänen. Insgesamt sollen es 176 Stück sein, aber ich muss euch enttäuschen. Ich hab sie nicht nachgezählt. Allen gemeinsam ist, dass sie über ein ausgeklügeltes System von Druckleitungen aus natürlicher Kraft von Quellen in rund 25 Kilometer Entfernung gespeist werden.

Diese Caddies mit den viel zu lauten russischsprachigen Audioguide waren schrecklich!

Diese Caddies mit den viel zu lauten russischsprachigen Audioguide waren schrecklich!

Eine weitere Besonderheit des Schlosses ist, dass es die einzige Palastanlage weltweit ist, die direkt am Meer liegt. Von der Kaskade fließt das Wasser dann über einen 400 Meter langen Kanal direkt in die Ostsee. Hier hat Zar Peter I. auch einen Hafen bauen lassen, so dass er sein Schloss direkt mit dem Schiff ansteuern konnte. Heute nutzen die Schnellboote nach St. Petersburg diesen Hafen. Eine Fahrt damit ist aber relativ teuer, ich glaube um die 9 Euro.

Vom Damm hat man einen tollen Blick auf die Ostsee und die Skyline von St. Petersburg.

Vom Damm hat man einen tollen Blick auf die Ostsee und die Skyline von St. Petersburg.

St. Petersburg, beziehungsweise der Peterhof, liegt nicht direkt an der offenen Ostsee, sondern an der Finnischen Bucht. Diese konnte an der Meerenge von Kronstadt relativ gut verteidigt werden. Zum Schutz wurden hier zahlreiche Forts mitten im Wasser und das Kronschlot auf der Insel Kotlin errichtet.

Noch ein Pavillon im Park. Sieht man, dass ich hier einen Polfilter eingesetzt habe?

Noch ein Pavillon im Park. Sieht man, dass ich hier einen Polfilter eingesetzt habe?

Unterteilt ist die Parkanlage in einen unteren und einen oberen Parkteil. Über den unteren, dem Meer zugewandten Teil, habe ich ja schon geschrieben. Der obere Teil des Parks liegt in Front des Palastes. Ihn sieht man zuerst, wenn man mit der Kutsche oder dem Zug am Schloss ankommt. Dieser entspricht einem französischen Barockgarten. Wohl deswegen wird Schloss Peterhof auch gern mal als „russisches Versailles“ bezeichnet.

Das Foto ist schon im äußeren Park aufgenommen. Diesen sieht man nur, wenn man zum Bahnhof läuft.

Das Foto ist schon im äußeren Park aufgenommen. Diesen sieht man nur, wenn man zum Bahnhof läuft.

Für mich hieß es dann gegen 15 Uhr Abschied nehmen von den Gärten. Durch die vorgezogenen Parks ging es zurück zum schmucken Bahnhof von Newy Peterhof. Ab hier fährt etwa alle 30-50 Minuten wieder ein Zug zurück nach St. Petersburg. Diesmal auch mit dem korrekten Ticket. Man muss am Automat nämlich auf „Eil-Regionalzug“ tippen. Dann spuckt er das richtige Ticket aus. Die Automaten der Russischen Eisenbahn lassen sich auf Deutsch bedienen, das war sehr komfortabel.

Diese sehr neuen Triebwagen der Russischen Eisenbahn verkehren zwischen St. Petersburg und Nowy Peterhof.

Diese sehr neuen Triebwagen der Russischen Eisenbahn verkehren zwischen St. Petersburg und Nowy Peterhof.

In der Fünf-Millionenstadt brach dann mein letzter Abend an. Nach einem kurzen Streifzug durch die wirklich musikverrückte Stadt und dem Abendessen – diesmal eher landestypisch – ging es Richtung Hotel. Am nächsten Morgen musste ich gegen 5:20 Uhr aufstehen. Mit einer Zugfahrt nach Finnland ging die Reise weiter.

Zu den weiteren Blogposts aus St. Petersburg

Nützliche Links:

Statistik der Tour Baltica St. Petersburg – Peterhof und zurück Gesamte Tour:
Kilometer: 57 Kilometer 2913 Kilometer
Im Zug verbrachte Zeit: 1 Stunde 20 Minuten 44 Stunden 30 Minuten
Gesammelte Verspätung: -2 Minuten -31 Minuten
Anzahl der Züge: 2 15
Anzahl der Busse: 0 4
Anzahl der Speisewagenbesuche: 0 1,5
Fahrpreis: 3,63* € 133,83 €

* eigentlich nur 1,76 €, aber ich musste ja ein Ticket zum Bordpreis nachlösen.


Dieser Artikel wurde am 17. August 2018 um 12:10 Uhr von mahrko veröffentlicht.
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